
Selbstbildnis
Details
Die Geschichte
Für ein Künstlerselbstbildnis ist dieses Bild auffallend karg, der Kopf allein vor einem schlichten Grund. Die Brauen sind hochgezogen, der Kopf leicht geneigt, der Blick kommt ein wenig von unten, mit einem Anflug verschmitzter Klugheit, und ein Schatten gleitet über die Züge. Lange wusste niemand, wen es zeigt. Ein Inventar von 1763 führte es als Männerkopf aus der Schule des Bolognesers Ludovico Carracci, die Familie Torlonia 1829 als Kopf eines Mannes mittleren Alters von Carracci. Erst Anfang der 1990er Jahre kamen drei Forscher unabhängig voneinander auf Orazio Borgianni, Marco Gallo, Gianni Papi und Rossella Vodret. Die Züge stimmen mit einer Zeichnung überein, die der Porträtist Ottavio Leoni von ihm machte und die heute in der Albertina in Wien liegt, und mit seinem Selbstbildnis in der römischen Accademia di San Luca. Über die Datierung wird gestritten. Papi erkennt im eingefallenen Gesicht die Krankheit, an der Borgianni Anfang 1616 starb, und setzt das Bild um 1614 oder 1615 an. Gallo sieht keinen Verfall und datiert es um 1608 oder 1609, das Museum auf 1615 bis 1616. In seinem Testament vom 30. November 1615 vermachte Borgianni seinem Schüler Pietro Campiglia ein weiteres Selbstbildnis.
