
Edvard Munch · PD
Walter Rathenau
Details
Die Geschichte
Als Munch dieses Bildnis 1907 malte, war Walther Rathenau einer der mächtigsten Männer Deutschlands. Er leitete den Elektrokonzern AEG, schrieb viel gelesene Bücher über Wirtschaft und Philosophie und bewegte sich als wohlhabender, gebildeter deutsch-jüdischer Großindustrieller an der Spitze der wilhelminischen Gesellschaft. 15 Jahre später sollte derselbe Mann Außenminister der jungen Weimarer Republik sein, und im Juni 1922 wurde er in seinem offenen Wagen in Berlin von rechtsradikalen Nationalisten erschossen, die seine Politik ebenso hassten wie seine jüdische Herkunft. Von diesem Schatten ist hier noch nichts zu sehen. Munch gibt ihm die ganze hohe Leinwand, in voller Gestalt und weit über Lebensgröße, eine Zigarre in der Hand, in einer Haltung, die an Arroganz grenzt. Rathenau durchschaute genau, was der Maler aus ihm gemacht hatte. Er soll bemerkt haben, das komme davon, wenn man sich von einem großen Künstler porträtieren lasse, am Ende sehe man sich selbst ähnlicher, als man wirklich ist.




