
Die Geschichte
In der Nacht des 7. September 1944, wenige Tage vor der Befreiung Brügges, betraten zwei deutsche Offiziere mit einem Trupp bewaffneter Marinesoldaten im Fackelschein die Liebfrauenkirche. Sie wickelten eine Marmorstatue in Matratzen und luden sie auf einen Lastwagen. Es war Michelangelos Madonna mit Kind, und im Jahr darauf fanden die alliierten Kunstschutzoffiziere, die Monuments Men, sie tief im Salzbergwerk von Altaussee in den österreichischen Alpen, noch immer in ihre Matratzen gehüllt.
Die Statue war schon früher gereist. Michelangelo hatte sie um 1504 aus Carrara-Marmor gehauen, und die Familie Mouscron, flämische Tuchhändler mit Geschäften in Italien, kaufte sie und schenkte sie 1514 dieser Kirche. Sie gilt als die einzige Skulptur Michelangelos, die zu seinen Lebzeiten Italien verließ. Französische Revolutionstruppen brachten sie in den 1790er Jahren nach Paris, nach Napoleons Sturz kehrte sie zurück. Man achte auf das Kind, das gleich vom Schoß der Mutter herabzusteigen scheint.
Der Bau der Kirche begann im frühen 13. Jahrhundert, und ihr Backsteinturm ist über 115 Meter hoch, einer der höchsten seiner Art weltweit. Im Chor ruhen zwei Herrscher Burgunds. Maria von Burgund, die 1482 nach einem Sturz vom Pferd starb, hat ein vergoldetes gotisches Grabmal, das 1502 vollendet wurde. Ihr Vater Karl der Kühne, 1477 in der Schlacht bei Nancy gefallen, wurde erst im 16. Jahrhundert neben ihr beigesetzt, unter einem Grabmal im neueren Renaissancestil.
In der Kirche hängen auch Gemälde der Brügger Meister Gerard David und Pieter Pourbus sowie eine Kreuzigung von Anthonis van Dyck.
