
Die Geschichte
Wer irgendwo auf der Welt mit alten Zeichnungen arbeitet, greift zu einem Nachschlagewerk, das man schlicht „den Lugt“ nennt. Es verzeichnet Sammlerstempel, die kleinen Marken, die Besitzer auf ihre Blätter drückten. Zusammengestellt hat es der niederländische Kunsthistoriker Frits Lugt, und bis heute lassen sich damit die früheren Eigentümer einer Zeichnung zurückverfolgen. Lugt sammelte auch selbst in großem Stil. 1947 brachte er mit seiner Frau Jacoba Lugt-Klever alles in eine Stiftung ein und nannte sie Custodia, lateinisch für Obhut.
Die Stiftung residiert im Hôtel Turgot, einem Stadtpalais des 18. Jahrhunderts in der Rue de Lille im 7. Arrondissement von Paris, das Lugt 1953 erwarb. Besucher kommen zu den Ausstellungen in seinen Räumen. Den Kern bildet niederländische und flämische Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts, mit rund 7.000 Zeichnungen, darunter Blätter von Rembrandt, etwa 15.000 Druckgrafiken und rund 450 Gemälden. Zu den Drucken gehört die Hasenjagd, die einzige Radierung, die Pieter Bruegel der Ältere eigenhändig ausführte. Lugt trug außerdem Künstlerbriefe zusammen, heute mehr als 40.000, von Dürer und Michelangelo bis zu Gauguin und Matisse.
Die Sammlung wächst weiter, vor allem bei kleinen Ölskizzen, die im 19. Jahrhundert unter freiem Himmel entstanden. Zu den jüngsten Neuzugängen zählen eine Ansicht des Quirinals in Rom vom jungen Edgar Degas und eine Studie der Dünen bei Arcachon an der Atlantikküste von Henri de Toulouse-Lautrec.
