
Die Geschichte
Um 1400 setzten Zimmerleute einen neuen Dachstuhl auf eine kleine Kirche im Weiler, einer alten Vorstadt von Schwäbisch Hall an der Henkersbrücke über den Kocher, und ein Großteil dieses Gebälks ist bis heute erhalten. Die Kirche gehörte den Johannitern, dem Ritterorden der Kreuzzugszeit, der sich der Krankenpflege verschrieben hatte. Sie hatten sich Ende des 12. Jahrhunderts in Hall niedergelassen und führten ab 1249 das städtische Spital. Um 1404 erweiterten sie ihre romanische Kapelle um gotische Maßwerkfenster und einen polygonalen Chor, und Adelsfamilien der Gegend wählten sie als Grablege.
Mit der Reformation wurde sie zur evangelischen Pfarrkirche des Weilers. 1812 hob Württemberg die Pfarrei auf, 1816 kaufte die Stadt den leeren Bau als Futterlager für durchziehende Truppen, und ab 1846 diente er einem neu gegründeten Turnverein als Turnhalle. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde daraus ein Saal für Konzerte und Vorträge.
2004 erwarb ihn die Würth-Gruppe, das Unternehmen für Befestigungstechnik und Werkzeug, und der Stuttgarter Architekt Erich Fritz restaurierte ihn und setzte einen gläsernen Kubus daneben. Seit November 2008 zeigt die Kirche die Alten Meister der Sammlung Würth, viele davon aus dem früheren Besitz der Fürsten zu Fürstenberg in Donaueschingen. Man sieht Altartafeln des Meisters von Meßkirch, eines namentlich unbekannten schwäbischen Malers der 1530er-Jahre, Schnitzfiguren des Würzburger Bildhauers Tilman Riemenschneider und „Christus segnet die Kinder“ von Lucas Cranach dem Älteren, dem Hofmaler in Wittenberg, ein Thema, das seine Werkstatt mehr als 20-mal malte.
Im Chor, wo einst der Hochaltar stand, hängt die Madonna des Bürgermeisters Jakob Meyer von Hans Holbein dem Jüngeren, um 1526 in Basel gemalt. Sie heißt Darmstädter Madonna nach der Stadt, in der sie über ein Jahrhundert lang hing, und ist seit Januar 2012 hier.
