
Die Geschichte
Eine nackte Frau zieht sich über den Rand eines Brunnens, den Mund zum Schrei geöffnet, eine Peitsche in der Hand. Jean-Léon Gérôme, der Pariser Akademiemaler, vollendete das Bild 1896, und sein voller Titel sagt genau, was geschieht: Die Wahrheit steigt aus ihrem Brunnen, mit ihrer Peitsche bewaffnet, um die Menschheit zu züchtigen. Es spielt auf ein Wort an, das auf den griechischen Philosophen Demokrit zurückgeführt wird, wonach die Wahrheit am Grund eines Brunnens liegt. Das Gemälde kam 1978 nach Moulins, und 2012 widmete ihm das Museum eine ganze Ausstellung.
Auch das Gebäude hat seinen eigenen Rang. Zwischen 1498 und 1503 ließ Anne de Beaujeu, Tochter König Ludwigs XI. und einst Regentin Frankreichs, diesen Pavillon mit ihrem Gemahl Pierre, Herzog von Bourbon, am Hof ihres Schlosses errichten. Er gehört zu den frühesten Renaissancebauten Frankreichs und zu den wenigen Teilen jenes Schlosses, die noch stehen. Das Museum zog 1910 hier ein.
Die Sammlungen reichen von gallorömischen Funden und mittelalterlicher Bourbonen-Skulptur bis zu deutschen und flämischen Altarbildern und Fayencen aus Moulins. Nebenan liegt die Maison Mantin, eine Villa, die der Sammler Louis Mantin 1905 der Stadt vermachte, als Zeugnis dafür, wie ein wohlhabender Haushalt am Ende des 19. Jahrhunderts lebte. Nach Jahrzehnten der Schließung wurde sie 2010 wieder geöffnet.
