
Die Geschichte
Im Jahr 1964 sichteten zwei Kunsthistorikerinnen aus Warschau, Izabella Galicka und Hanna Sygietyńska, die Kirchenausstattung in Kosów Lacki, einer kleinen Pfarrei östlich der Hauptstadt. In der Wohnung des Pfarrers fiel ihnen über einem Sofa eine dunkle, übermalte Leinwand auf. Sie zeigte den heiligen Franz von Assisi im Gebet, und die beiden vermuteten die Hand von El Greco, dem in Griechenland geborenen Maler, der in Spanien seine Laufbahn machte.
Restauratoren in Warschau klärten die Frage 1974. Sie entfernten eine spätere Farbschicht und fanden darunter die Signatur des Künstlers. Das Bild wird in die späten 1570er-Jahre datiert und gilt gemeinhin als der einzige El Greco in Polen. Wie es in eine Landpfarrei gelangte, ist bis heute umstritten. Eine Familienüberlieferung führt es auf einen Offizier zurück, der es 1808 in Spanien kaufte, eine andere auf ein Warschauer Antiquitätengeschäft in den 1920er-Jahren.
Jahrzehntelang hielt man es aus Sicherheitsgründen von der Öffentlichkeit fern. Seit Oktober 2004 hängt es im Diözesanmuseum Siedlce, dem kirchlichen Museum des örtlichen Bistums, zwischen liturgischem Gerät und sakraler Kunst aus den Pfarreien der Region. Nach Kirchenrecht gehört es bis heute der Pfarrei Kosów Lacki, der es der Domherr, dem es gehörte, testamentarisch vermacht hatte.
