
Die Geschichte
Der Palazzo Chiericati steht an einem Platz, der 1550 Piazza dell'Isola hieß, einer offenen Fläche an den Flüssen Bacchiglione und Retrone, heute die Piazza Matteotti. In jenem Jahr entwarf Andrea Palladio, der große Architekt Vicenzas, hier einen Palast für den Adligen Girolamo Chiericati, mit einer doppelten Loggia aus frei stehenden Säulen über die ganze Front. Zu seinen Lebzeiten entstand nur das südliche Ende. Der Rest blieb bis zum Ende des 17. Jahrhunderts unvollendet und wurde dann nach den Plänen fertiggestellt, die Palladio in seinen Vier Büchern zur Architektur veröffentlicht hatte.
Die Stadt kaufte den Palast 1839 der Familie Chiericati ab und eröffnete ihn am 18. August 1855 als städtisches Museum. Im Erdgeschoss gehören die bemalten Decken des Saals des Firmaments, Ende der 1550er-Jahre von dem Veroneser Maler Domenico Brusasorzi und seinen Mitarbeitern geschaffen, noch zum ursprünglichen Haus. Im ersten Stock beginnt der Rundgang mit Goldgrundtafeln von Paolo Veneziano, dem venezianischen Meister des 14. Jahrhunderts, und führt zu einer Kreuzigung des flämischen Malers Hans Memling, auf der ihr Auftraggeber, der Abt Jan Crabbe, neben dem Kreuz kniet.
Das Stockwerk darüber gehört der venezianischen Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts, mit Tintorettos Heiligem Augustinus, der die Lahmen heilt, um 1549 gemalt, und den Vier Lebensaltern des flämischen Porträtisten Anthonis van Dyck. In den Sälen des 18. Jahrhunderts hängt Die Zeit enthüllt die Wahrheit des venezianischen Malers Giambattista Tiepolo, um 1745 entstanden. Darin zieht die geflügelte Zeit den Schleier von einer Frau, die die Sonne in der Hand hält.
