Der Kremser Werkstatt zugeschrieben
Heiliges Römisches Reich · Spätgotik
Die Geschichte
Rund 60 Jahre lang zeigte das Belvedere diesen kleinen Flügelaltar in einer umgebauten Form, die einen leeren Schrein verdeckte. 1872 war er in das Wiener Museum für Kunst und Industrie gekommen, das heutige MAK, mit einer geschnitzten Marienkrönung in der Mitte, die weder im Stil noch in der Größe dazu passte. Als der Altar 1940 ins Kunsthistorische Museum und 1953 ins Belvedere wanderte, wurde diese Gruppe getrennt inventarisiert, und Anfang der 1960er-Jahre nahm man die bemalten Außentafeln von den Flügeln ab und setzte sie vor den leeren Schrein.
Bei der Vorbereitung der Ausstellung zur Dürerzeit in Österreich 2021 brachten die Kuratoren die Malereien wieder an den Außenseiten an und suchten nach der fehlenden Figur. Im eigenen Bestand fanden sie eine Kandidatin, eine sitzende gekrönte Frau mit einer Kerbe unter der rechten Hand, in der wohl einst ein Schwert steckte. Übereinstimmende Löcher, dasselbe Lindenholz und nahe beieinanderliegende Jahrringdaten stützen die Zuordnung, und das Schwert verweist auf die heilige Katharina.
Die Malereien der Flügelaußenseiten geben dem Altar seinen Beinamen. Sie illustrieren das vierte Kapitel des Hohelieds, Braut und Bräutigam gedeutet als Maria und Christus, offenbar nach einem niederländischen Blockbuch um 1465, und der Kunsthistoriker Peter Krenn nannte das Ensemble danach Hohelied-Altar. Weder Schnitzer noch Maler sind überliefert. Die Renaissancesäulen und die geschoppten Parallelfalten der Gewänder verbinden ihn mit Altären, die um 1520 in Wien und Niederösterreich entstanden, vor allem mit einem aus der Piaristenkirche in Krems an der Donau, daher der Name der Werkstatt.
