
Ernst Ludwig Kirchner
1880–1938 · Deutsches Reich · Expressionismus
Die Geschichte
Im Sommer 1937 eröffnete die NSDAP in München die Ausstellung „Entartete Kunst", die moderne Malerei als krank und undeutsch verhöhnte. Sie zeigte 32 Werke von Ernst Ludwig Kirchner, und bis zum Jahresende waren mehr als 600 seiner Gemälde, Druckgrafiken und Zeichnungen aus deutschen Museen entfernt und entweder ins Ausland verkauft oder zerstört worden. Kirchner lebte zu dieser Zeit in den Bergen bei Davos in der Schweiz und verfolgte die Kampagne gegen ihn von dort aus. Im Juni 1938 erschoss er sich vor seinem Haus.
Sein ganzes Schaffen lang hatte er die Nerven Deutschlands ausgelotet. 1905 gründete er als Architekturstudent in Dresden zusammen mit drei Kommilitonen die Künstlergruppe Die Brücke, mit dem Ziel, die akademische Malerei mit einer roheren, dringlicheren Kunst zu verbinden. Die schroffen Linien und grellen Farben der Gruppe wurden zum Erscheinungsbild des deutschen Expressionismus, am bekanntesten in Kirchners eigenen Szenen Berliner Straßendirnen und Caféhausgesellschaften, gemalt kurz vor dem Ersten Weltkrieg. 1914 meldete er sich freiwillig zu diesem Krieg, erlitt innerhalb weniger Monate einen Nervenzusammenbruch und verbrachte danach Jahre wandernd zwischen Sanatorien, bevor er sich 1917 dauerhaft in der Schweiz niederließ, wo die Alpen die Stadt als sein Motiv ablösten.
Die Berliner Straßenbilder, die ihn zwei Jahrzehnte später zum „Entarteten" stempelten – angespannte Gestalten mit Federhüten im Gaslicht – bilden heute den Kern des Brücke-Museums in Berlin, einer Sammlung, die nach seinem Tod aus dem zusammengetragen wurde, was die NS-Beschlagnahmungen überstanden hatte.





