
Ernst Ludwig Kirchner · PD
Frauen auf der Straße
Details
Die Geschichte
1914 bewegte sich Berlin schneller als jede Stadt, die Kirchner zuvor gekannt hatte. Drei Jahre vorher war er aus Dresden hergezogen, und die überfüllten Boulevards wurden sein eigentliches Thema. Die eleganten, befederten Frauen, die wir hier sehen, sind Kokotten, Straßendirnen, die am Abend das Pflaster abgingen, und er zeichnet sie mit scharfen, spitzen, fast brüchigen Linien, in denen mehr von seiner eigenen Nervosität steckt als von wirklicher Mode. Die Gesichter verengen sich zu Masken, das Pflaster kippt, die Gestalten drängen sich aneinander und bleiben doch für sich. Ein Stück dieser Geschwindigkeit übernahm er von den italienischen Futuristen, ein Stück der Überlängung von der alten deutschen Malerei. Das Bild gehört zu den Straßenszenen von 1913 bis 1915, an die heute die meisten zuerst denken, wenn sie seinen Namen hören. Ein Jahr nach der Vollendung meldete er sich zum Kriegsdienst, und der Zusammenbruch, der folgte, ließ ihn Berlin nie wieder so malen.




