
Jean Béraud
1849–1935 · Frankreich · Realismus, Akademische Kunst
Die Geschichte
Wer durch das Paris der 1880er Jahre ging, fand eine neu gebaute Stadt vor: die breiten neuen Boulevards des Baron Haussmann, die mit Gas beleuchteten Cafés, die Kaufhäuser und die Menge auf den Champs-Élysées. Jean Béraud machte das zu seinem Thema. Er malte die Boulevards und Cafés, den Montmartre und die Ufer der Seine, mit dem genauen Blick eines Illustrators dafür, was die Leute trugen und wie sie sich hielten.
Er kam spät und eher zufällig dazu. Geboren wurde er 1849 in Sankt Petersburg, wo sein Vater, ein Bildhauer, wohl am Bau der großen Isaakskathedrale arbeitete. Aufgewachsen ist er in Paris und studierte dort die Rechte. Der Deutsch-Französische Krieg und die Belagerung der Stadt durch die Deutschen 1870 machten diesen Plan zunichte. Er trat in das Atelier des Porträtmalers Léon Bonnat ein und stellte 1872 zum ersten Mal im Salon aus.
Seine Bilder stehen bewusst zwischen zwei Welten, der geglätteten akademischen Kunst, die der Salon belohnte, und der lockereren Malerei der Impressionisten. Auch stichelte er gern gegen die eigene Gesellschaft. In einer Reihe versetzte er biblische Gestalten ins moderne Paris und setzte Maria Magdalena bei einem eleganten Diner unter Herren im Frack, was bei der Ausstellung für Aufsehen sorgte.
1894 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Seine Pariser Szenen hängen heute im Louvre, im Met in New York und in der National Gallery in London.




