
Meister von Frankfurt
Burgundische Niederlande · Nordische Renaissance, Flämische Renaissance
Die Geschichte
1496 malte ein Antwerpener Maler sich und seine Frau nebeneinander auf eine Tafel und schrieb ihr Alter dazu, 36 und 27 Jahre. Über ihnen hängt das Wappen der Lukasgilde, der Zunft der Maler der Stadt, und auf der weißen Haube der Frau sitzt eine gemalte Fliege. Seinen Namen kennen wir bis heute nicht. Dieses Doppelbildnis im Königlichen Museum der Schönen Künste in Antwerpen ist der einzige Grund, seine Geburt um 1460 anzusetzen.
Die Forschung nennt ihn Meister von Frankfurt, weil zwei seiner größten Altäre für diese Stadt entstanden. Der eine, eine Heilige Sippe mit der weitverzweigten Familie der heiligen Anna, stand in der Frankfurter Dominikanerkirche und befindet sich heute im Historischen Museum der Stadt. Der andere, ein Kreuzigungstriptychon für die Frankfurter Patrizierfamilie Humbracht, hängt im Städel. Im 19. Jahrhundert hielt man ihn deshalb für einen einheimischen deutschen Meister, obwohl Stil und Gilde nach Antwerpen weisen, wo er etwa von 1480 bis 1520 arbeitete.
Manche Historiker wollten in ihm Hendrik van Wueluwe sehen, einen angesehenen Antwerpener Maler, der mehrmals Dekan der Gilde war und 1533 starb, doch kein Dokument verbindet die beiden.

