
Jean-Auguste-Dominique Ingres · PD
Aretino und der Gesandte Karls V.
Details
Die Geschichte
1848, wahrend in den Strassen von Paris die Revolution tobt und Louis-Philippe flieht, kehrt der fast siebzigjahrige Ingres zu einer kleinen venezianischen Szene des 16. Jahrhunderts zuruck. Zu sehen ist Pietro Aretino, der gefurchtetste Schriftsteller seiner Zeit, tief in einen Sessel gelehnt, der mit spitzen Fingern verachtlich eine goldene Kette halt. Karl V. hat sie ihm geschickt, um nach einer militarischen Niederlage sein Schweigen zu erkaufen; seine einzige Antwort, so heisst es, war, das Geschenk sei recht durftig fur einen so grossen Fehler. Rechts greift der gekrankte kaiserliche Gesandte zum Schwertgriff. An der Wand hangt ein Selbstbildnis Tizians, eines Freundes Aretinos. Es ist eine Wiederholung eines Bildes, das Ingres schon 1815 gemalt hatte, doch hier sitzt der Schriftsteller, einst aufrecht und fest, in lassiger Nachlassigkeit.




