
Hermes vom Belvedere
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Die Geschichte
Der junge Mann blickt zu Boden, den Mantel über die linke Schulter geworfen und um den Unterarm geschlungen. Weit über zwei Jahrhunderte hieß er Antinous, nach dem Liebling Kaiser Hadrians, und zwar wegen seines Fundorts. Die Statue kam um 1540 in den Gärten beim Grabmal Hadrians, der heutigen Engelsburg, ans Licht, und Papst Paul III. kaufte sie wenige Jahre später für den Statuenhof des Belvedere. Der Name blieb haften, und unter ihm wurde die Figur zum Maßstab. Der Maler Nicolas Poussin und der Bildhauer François Duquesnoy studierten und vermaßen sie in Rom als Muster idealer Proportionen, und 1683 nahm der Stecher Gérard Audran sie in ein Werk über die Proportionen des menschlichen Körpers auf, abgenommen an den schönsten antiken Statuen und für junge Künstler bestimmt.
Erst in dem Katalog, den Ennio Quirino Visconti ab 1818 veröffentlichte, wurde er sicher als Hermes bestimmt. Das Museum datiert den Marmor in die Zeit Hadrians und deutet ihn als Hermes, den Seelengeleiter, der mit gesenktem Blick die Toten erwartet, um sie in die Unterwelt zu führen. Seine Haltung folgt einem Typus, den man von Bronzen aus dem Umkreis des Praxiteles kennt.




