
Singender Knabe
Details
Die Geschichte
Hendrick ter Brugghen signierte diese Leinwand gut sichtbar rechts in der Mitte, HTBrugghen fecit 1627, die ersten drei Buchstaben ineinander verschlungen. Trotzdem lief das Bild 1957 unter einem anderen Namen. Sein Besitzer, Sir Oliver Lambart aus Beau Parc im irischen County Meath, lieh es in jenem Jahr zu einer Ausstellung von Gemälden aus irischen Sammlungen in der Municipal Gallery in Dublin, und der Katalog schrieb es Gerrit van Honthorst zu.
Ganz abwegig war die Verwechslung nicht. Honthorst und ter Brugghen arbeiteten in den 1620er Jahren beide in Utrecht, beide hatten lange in Rom gelebt, und beide malten einzelne Musiker in Halbfigur und aus der Nähe. Die Verfasser des Werkverzeichnisses von 2007 vermuten sogar, dass es sich um den jungen Mann mit Federhut handelt, der aus einem Buch singt und 1819 in Leipzig und 1885 in Amsterdam versteigert wurde, beide Male als Honthorst.
Der Junge hält ein aufgeschlagenes Notenbuch über einem Tisch mit gelber, gemusterter Decke, singt mit offenem Mund, den Blick auf der Seite, und hebt eine Hand mit gespreizten Fingern. Über seine Kappe fällt eine weiße Feder. Ein Jahr nach der Dubliner Ausstellung war das Bild bei Londoner Händlern, und im Oktober 1958 verkaufte es die New Yorker Firma Knoedler für 27.000 Dollar an das Museum of Fine Arts.




