
Tür der Grabkammer von Cha und Merit
Details
Die Geschichte
„Ich weiß nicht, wo er ist, Herr“, antwortete der Diener ganz ernsthaft, als Ernesto Schiaparelli nach dem Schlüssel rief. So erzählt es Arthur Weigall, der britische Antikeninspektor, der im Februar 1906 dabei war. Vor ihnen stand diese Tür, und sie sah aus, als hätte ein Tischler sie eben erst eingesetzt. Das Holz war hell wie frisches Brett, ein schweres Holzschloss hielt sie zu, und der Bronzegriff war mit einem Knauf im Türpfosten verbunden und mit einem Klümpchen gestempelten Tons versiegelt.
Schiaparelli leitete die Italienische Archäologische Mission und das Turiner Museum. Wochenlang hatten seine Arbeiter am Fuß der Felsen von Deir el-Medina gegraben, dem Dorf der Handwerker, die die Königsgräber im Tal der Könige anlegten, und nur längst ausgeraubte Gräber gefunden. Dann stießen sie auf sauberen Kalksteinschutt, eine grob gehauene Treppe und zwei Mauern aus Bruchsteinen, die nie wieder geöffnet worden waren.
Statt die Tür aufzubrechen, schob man eine dünne Säge zwischen die Bretter und durchtrennte die Querriegel auf der Rückseite. So blieb das Schloss erhalten. Dahinter lag die Grabkammer des Vorarbeiters Cha und seiner Frau Merit, seit mehr als 3.000 Jahren unberührt. In etwa drei Tagen wurde sie aufgenommen, fotografiert und geräumt, und fast der gesamte Inhalt ging nach Turin.




