
Sibylle
Details
Die Geschichte
Für dieses Bild zahlte Kardinal Scipione Borghese, der Neffe von Papst Paul V., im Jahr 1617, und vermutlich bestimmte er auch, was darauf zu sehen ist. Der Kardinal galt als großer Musikliebhaber und besaß eine Abhandlung über Sibyllen. Diese Seherinnen der Antike erscheinen sonst meist mit Buch oder Schriftrolle. Domenichinos Seherin hat eine Viola da Gamba neben sich, und unter ihrer Hand rollt sich ein Notenblatt auf. Das Museum bringt die Noten mit Girolamo Giacobbi in Verbindung, einem Komponisten aus Bologna, den der Maler kannte. Die leicht geöffneten Lippen deuten vielleicht darauf hin, dass sie singt. Über ihrem Kopf wächst Lorbeer, der Baum Apollons, des Gottes der Künste. Er verweist zugleich auf die Sibylle von Delphi, die der Überlieferung nach Lorbeerblätter kaute, bevor sie weissagte. Deshalb deutet das Museum die Figur heute als Delphische Sibylle, obwohl sie lange als Cumäische galt.




