
Richard Gerstl · PD
Die Schwestern Karoline und Pauline Fey
Details
Die Geschichte
Zwei junge Frauen in weißen Ballkleidern nach einer durchtanzten Nacht, so beschreibt das Belvedere die Szene. Richard Gerstl malte die Schwestern Karoline und Pauline Fey 1905, ihre Familie und seine kannten einander seit der Kindheit. Geschmeichelt hat er ihnen trotzdem nicht. Die beiden, Mitte 20, wirken gealtert und farblos, die Gesichter erstarrt wie Masken, die Lippen fast blutleer. Die Kleider sind mit breiten, fahrigen Strichen hingesetzt, und die Schwestern sitzen nebeneinander vor einem dunklen, leeren Raum, ohne sich einander zuzuwenden. Mehr als ein halbes Jahrhundert später, 1961, bat der Wiener Kunstschriftsteller Otto Breicha Pauline um Auskunft. Sie war beim Malen 22 gewesen und inzwischen 78. Viel wusste sie nicht mehr, doch den Maler beschrieb sie als „äußerst wortkargen Menschen und schon als ganz jungen Burschen etwas sonderlich“.

