
Der heilige Hieronymus
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Die Geschichte
Die Jahreszahl 1502 unten auf der Tafel macht sie zum frühesten datierten Gemälde Cranachs, das wir kennen. Er war um die 30 und lebte in Wien, wo Kaiser Maximilian I. gerade ein Kollegium der Poeten und Mathematiker um den Humanisten Konrad Celtis gegründet hatte. Die Gelehrten dieses Kreises lasen Griechisch und Latein, gaben alte Texte heraus, und ihr Heiliger war Hieronymus, der Kirchenvater, der die Bibel ins Lateinische übertragen hatte. Das Museum vermutet einen Auftraggeber aus diesem Umfeld, den kaiserlichen Rat Johannes Fuchsmagen oder den Arzt und Geschichtsschreiber Johannes Cuspinian. Den Gelehrten zeigt Cranach allerdings in seiner am wenigsten gelehrten Stunde. Hieronymus büßt in der Wildnis, mit nacktem Oberkörper vor dem Kruzifix, und greift mit einer Hand in seinen langen, wallenden Bart. Neben ihm hält sich der Löwe, dem er der Legende nach einen Dorn aus der Pranke gezogen hatte. Am Boden liegen der rote Kardinalshut und der Mantel, die er abgeworfen hat. Kardinal war Hieronymus nie, die Maler gaben ihm den Hut erst Jahrhunderte nach seinem Tod, damit man ihn sofort erkennt.




