
Didier Descouens · PD
Das blaue Zimmer
Details
Die Geschichte
Suzanne Valadon kannte die Pose der liegenden Frau von der anderen Seite der Staffelei. Bevor sie selbst malte, hatte sie nackt für Renoir, Degas und Toulouse-Lautrec Modell gestanden — sie war die Frau auf dem Sofa, den Pinsel hielten andere. Um 1923 war sie längst eine anerkannte Malerin und griff hier die alte Odaliskenpose auf, um fast alles daran zu ändern. Die Frau lehnt zurück in einem blauen Zimmer, trägt dabei aber eine gestreifte Pyjamahose, eine Zigarette zwischen den Lippen, ein paar Bücher zu ihren Füßen, und schenkt dem Betrachter keinerlei Beachtung. Keine dargebotene Nacktheit, keine Einladung. Valadon war fast 60, als sie das Bild malte, und arbeitete in flachen, satten Farben und mit jenen schweren dunklen Konturen, die sie in ihren späten Jahren bevorzugte.




