
Das Bauernmahl
Details
Die Geschichte
Als dieses Bild 1860 in Paris zum ersten Mal öffentlich ausgestellt wurde, schrieb der Kritiker Théophile Thoré, derselbe, der Vermeer wiederentdeckt hat, eigentlich müsse es »Die Gastfreundschaft« heißen. Brot und Rotwein auf dem weißen Tischtuch erschienen ihm wie ein stiller Akt der Nächstenliebe, fast ein Abendmahl unter armen Leuten. Seitdem hat man darin ein protestantisches Abendmahl gesehen, eine jansenistische Vision, eine Szene katholischer Frömmigkeit. Der Louvre, dem das Bild seit 1869 gehört, legt sich nicht fest.
Auch wessen Hand es ist, bleibt offen. Signiert ist es »Lenain« und datiert 1642, nur mit dem Familiennamen, und das Museum führt es unter Louis, den Bruder Antoine mit Fragezeichen dazugesetzt. Zur Deutung verweist es lieber auf Gewohnheiten der Werkstatt. Die Frau links kehrt auf einem anderen Bild der Le Nain im Louvre wieder, dem Karren, und feine Stielgläser stehen neben einem derben Tonkrug, Dinge, die kaum im selben Raum zu finden waren. Das kleine zottige Hündchen unten links ist wohl ein Bologneser, ein Schoßhund wohlhabender Frauen.

