
Turiner Königspapyrus (Königskanon)
Details
Die Geschichte
Als Gustav Seyffarth 1826 in Turin an diesem Papyrus saß, hatte er ein Puzzle vor sich. Fast 200 Fragmente konnte der deutsche Gelehrte bestimmen und ordnen, und er klebte sie auf ein Trägerblatt. Zwei Jahre vor ihm hatte Champollion, der Entzifferer der Hieroglyphen, 47 von rund 300 Stücken sortiert. Bernardino Drovetti hatte die Rolle in Ägypten erworben, und beim Auspacken in Turin lag sie in Bruchstücken. Lange hieß es, sie sei erst auf der Reise zerbrochen. Die Papyrusfachleute des Museums halten es für wahrscheinlicher, dass sie schon zerfallen war, wie das meiste Schriftgut aus Deir el-Medina, dem Dorf der Arbeiter an den Königsgräbern.
Geschrieben wurde der Text unter Ramses II., auf der Rückseite eines ausgedienten Steuerregisters. Die Königslisten an Tempelwänden, etwa die Sethos’ I. in Abydos, lassen unliebsame Herrscher einfach weg. Dieser Papyrus beginnt mit Göttern und Halbgöttern und nennt dann mehr als 200 Könige, mit der Dauer ihrer Regierung in Jahren, bei manchen auch in Monaten und Tagen. Sogar die Hyksos, Fremdherrscher im Norden, sind aufgeführt, allerdings ohne den Königsring, die Kartusche, um ihre Namen. Etwa die Hälfte der Rolle fehlt bis heute.




