
Johannes Vermeer, View of Delft, 1661. Wikimedia Commons. · PD
Ansicht von Delft
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Die Geschichte
Sechs Jahre bevor Vermeer diese Ansicht malte, riss am 12. Oktober 1654 ein Pulverturm einen ganzen Stadtteil von Delft in Trümmer. Der Delfter Donnerschlag tötete Hunderte, darunter den Maler Carel Fabritius, den manche für Vermeers Lehrer halten. Als Vermeer um 1660 sein Panorama aufbaute, wählte er den Blick von Südwesten, von der anderen Seite des Hafens, genau die Seite, die von der Explosion verschont geblieben war. Die zerstörten Viertel im Norden bleiben außer Sicht. Was man sieht, ist eine Stadt im Morgenlicht, teils noch im Schatten der Wolken, teils schon von der Sonne gestreift, die auf die Turmspitze der Neuen Kirche fällt. Auf dem Wasser liegen die Reflexe so ruhig, dass Marcel Proust das Bild später zum schönsten der Welt erklärte und einen winzigen Fleck gelber Mauer darin für unvergesslich hielt. Am Kai liegen die Boote vertäut, das Wasser steht fast still. Von der Katastrophe, die diese Stadt kurz zuvor erschüttert hatte, ist in Vermeers Delft nichts zu ahnen.




