
Die Geschichte
Wer die kleine Kapelle im linken Querschiff von Santa Maria del Popolo betritt, gleich am nördlichen Stadttor Roms, hat drei Gemälde dicht um sich. An den Seitenwänden hängen Caravaggios Bekehrung des Paulus und Kreuzigung des Petrus. Über dem Altar hängt die Himmelfahrt Mariens von Annibale Carracci, dem Bologneser Maler, der damals den Palazzo Farnese ausmalte. Zwei der führenden Maler Roms um 1600 teilen sich einen Raum von nur wenigen Schritten Breite.
Die Kapelle gehörte Tiberio Cerasi, Generalschatzmeister von Papst Clemens VIII., der sie 1600 erwarb und im September desselben Jahres den Vertrag mit Caravaggio unterzeichnete. Caravaggios erste Fassungen auf Zypressenholz wurden durch die heutigen Leinwände ersetzt, und Cerasi starb im Mai 1601, bevor die Arbeiten abgeschlossen waren. Weil die Kapelle schmal ist, sieht man beide Bilder vom Eingang aus in spitzem Winkel. Auf dem einen liegt Saulus rücklings unter seinem Pferd. Auf dem anderen richten drei Arbeiter das Kreuz des Petrus auf.
Die Kirche um diesen Winkel herum ist weit größer. Papst Sixtus IV. ließ sie in den 1470er-Jahren neu errichten, und ihre Chigi-Kapelle entwarf Raffael für den sienesischen Bankier Agostino Chigi. Wer von Norden kam, betrat die Stadt durch die Porta del Popolo, direkt neben dem Kirchenportal.


