
Fünf Landsknechte und ein Orientale zu Pferd
Details
Die Geschichte
Was auf diesem kleinen Kupferstich eigentlich geschieht, weiß niemand genau. Dürer schuf ihn um 1495, kurz nachdem er von seinem ersten Aufenthalt in Venedig nach Nürnberg zurückgekehrt war. Fünf Landsknechte stehen beieinander, und zwischen ihnen sitzt ein Reiter mit Turban, der Orientale des Titels. Frühe Deuter sahen hier eine Räuberbande oder den Schweizer Helden Wilhelm Tell. Ein jüngerer Vorschlag lautet, Dürer habe das Blatt ursprünglich als Gruppe von Zuschauern unter dem Kreuz angelegt. Das würde den Reiter erklären, denn auf deutschen Kreuzigungsbildern jener Jahre standen in der Menge auf Golgatha oft berittene Männer mit Turban, ein vertrautes Mittel, die Szene ins Heilige Land zu versetzen. Der italienische Einfluss in den Figuren ist deutlich, auch wenn die Gruppe etwas steif wirkt und der Reiter unbeholfen zwischen den Fußsoldaten sitzt. Boston besitzt einen Abzug, einen von vielen, die von derselben kleinen Kupferplatte gedruckt wurden. Auf jedem davon trägt das Pferd eine Satteldecke mit einem Karomuster, das verblüffend an ein schottisches Tartan erinnert.




