
Mrs. Richard Skinner (Dorothy Wendell)
Details
Die Geschichte
Wer die Dargestellte ist, lässt sich nicht sicher sagen. Copley signierte das Bild 1772 und setzte das Wort Boston dazu, an die Familie einer Auftraggeberin ging es trotzdem nie. Warum, weiß niemand. Er behielt es und nahm es mit nach London. Nach dem Tod seines Sohnes kam es 1864 bei Christie's schlicht als Bildnis einer Dame unter den Hammer, und Copleys Urenkel George Henry Timmins kaufte es und brachte es nach Boston zurück. 1873 hieß es Mrs. Spinner. Als Timmins' Schwester, Mrs. Martin Brimmer, es 1906 dem Museum vermachte, war daraus Mrs. Richard Skinner geworden, geborene Dorothy Wendell, Frau eines Kapitäns aus Marblehead. Die Benennung stützt sich vor allem auf die Ähnlichkeit mit einem Bildnis der Dorothy Wendell, das der Bostoner Maler Nathaniel Smibert 1755 gemalt hatte. Die Zweifel sind ebenso handfest. 1772 war Dorothy Skinner 39 Jahre alt, seit 16 Jahren verheiratet und Mutter von vier Kindern, die Frau auf dem Bild wirkt viel jünger. Auch sind ihre Augen haselnussfarben, Smiberts Dorothy dagegen hat braune. Das Museum hält am überlieferten Namen fest. 1875 sah der Schriftsteller Henry James das Bild in einer Bostoner Galerie und schrieb, von der stattlichen Kleidung abgesehen sehe sie aus, als sei sie eben aus einer Bostoner Straßenbahn gestiegen. Sie lehnt an einem polierten Mahagonitisch, eine Hand an der Schläfe, in der anderen einen Zweig Glockenblumen, und die Tischplatte spiegelt verschwommen ihre langen Finger.




