
Bildnis eines Mannes im Profil
Details
Die Geschichte
Um 1500 zeigte man Porträtierte in Italien meist schon dem Betrachter zugewandt, und das strenge Profil galt als altmodisch. In Mailand hielt sich die Form etwas länger, und Boltraffio, der in der Werkstatt Leonardo da Vincis gelernt hatte, füllt sie mit dem, was er dort gesehen hat. Hier modelliert der Schatten. Er rundet die schwere Wange, strafft die lange Nase und lässt das Auge unter der tief in die Stirn gezogenen dunklen Kappe verschwinden. Eine Hand steckt im Gewand, eine förmliche Pose der Zeit. Wer der Mann war, weiß man nicht. Man hielt ihn für Gerolamo Casio, einen Dichter aus Bologna und Bekannten des Malers, doch die Haarfarbe passt nicht zu anderen Bildnissen Casios. Charles Eastlake, der erste Direktor der National Gallery, erwarb die Tafel 1855. In die Sammlung des Museums kam sie erst 1924.




