
Kreuzigung Christi
Details
Die Geschichte
Lange gehörte diese kleine Tafel dem Wiener Schottenstift, dem alten Benediktinerkloster mitten in der Stadt, und dort galt sie als Werk des Lucas van Leyden, eines niederländischen Malers der nächsten Generation. Erst 1904 schrieb der Kunsthistoriker Friedrich Dörnhöffer sie einem anderen Lucas zu, nämlich Cranach, und setzte sie um 1500 an. Heute gilt sie als sein frühestes erhaltenes Gemälde. Aus der Zeit, bevor 1502 in Wien seine ersten datierten Werke auftauchen, ist über Cranach fast nichts überliefert, und die Tafel gehört zu den wenigen Zeugen dieser Jahre. Sie gibt zugleich ein Rätsel auf. Einige Männer unter dem Kreuz tragen Kleidung, die die Forschung als slawisch deutet, einer der Reiter einen großen weißen Turban. Daraus entstand die Vermutung, Cranach habe vor Wien in Krakau oder Ofen gearbeitet, belegt ist das bis heute nicht. Die Unterzeichnung ist frei und skizzenhaft hingeworfen, eine Arbeitszeichnung des Malers selbst. Achten Sie auf die Gesichter der Frauen links. Ihre Tränen sind als feine blaue Linien über die Wangen gezogen.




