
Der Prophet Jesaja
Details
Die Geschichte
Giorgio Vasari, der Michelangelo persönlich kannte, hat diesen Propheten so genau beschrieben, dass man ihm Zug um Zug folgen kann. Jesaja hat ein Bein über das andere geschlagen. Eine Hand steckt im zugeklappten Buch, um die Stelle zu halten, an der er gelesen hat, den Ellbogen des anderen Arms stützt er auf den Band. Einer der Knaben hinter ihm hat ihn gerufen, und er antwortet nur mit einer Wendung des Kopfes.
Für die Christen war Jesaja der meistzitierte Prophet. In seinem Buch heißt es, eine Jungfrau werde einen Sohn gebären und ihn Immanuel nennen, und das Matthäusevangelium bezieht diese Worte auf die Geburt Christi. Michelangelo malte ihn in der ersten Arbeitsphase an der Decke, im zweiten Joch vom Eingang aus, gegenüber der Erythräischen Sibylle.
Um 1512 malte Raffael seinen eigenen Jesaja an einen Pfeiler der Kirche Sant'Agostino in Rom, im Auftrag von Johann Goritz, einem gelehrten Prälaten der päpstlichen Kurie. Vasari behauptete, Raffael habe das Bild übermalt, nachdem man ihn in Michelangelos Abwesenheit in die Kapelle gelassen hatte. Die heutige Forschung bezweifelt diese Übermalung, sieht in Raffaels wuchtiger Gestalt aber deutlich den Einfluss der Decke.




