
Das Tischgebet
Details
Die Geschichte
Als das Tischgebet 1744 gestochen wurde, setzte man vier Verszeilen unter das Blatt. Sie erzählen, wie die Schwester heimlich über den kleinen Bruder lacht, der sein Gebet stammelt und es unbekümmert herunterhaspelt, weil ihm der Hunger Grund genug ist. Ob das kleinere Kind ein Junge oder ein Mädchen ist, darüber haben Kunsthistoriker gestritten. Kleine Jungen trugen damals Röcke, bis sie ihre ersten Hosen bekamen, und Chardin hat einen Hinweis hinterlassen, die Trommel an der Lehne des niedrigen Stuhls und den Trommelstock auf dem Boden.
Die Mutter beugt sich mit den Tellern über den Tisch und wartet, bis das Gebet zu Ende ist, ehe sie die Suppe austeilt. Chardin zeigte das Bild im Salon von 1740 zusammen mit seinem Gegenstück, einer Mutter, die die Handarbeit ihrer Tochter prüft, und im November schenkte er beide Ludwig XV. Das Thema verkaufte sich gut, und er malte es noch mehrmals. Eine 1744 datierte Fassung besitzt die Eremitage in Sankt Petersburg, eine zweite, etwas breitere gehört ebenfalls dem Louvre.




