
Dornauszieher (Spinario)
Details
Die Geschichte
1401 schrieb Florenz einen Wettbewerb für ein zweites Bronzeportal seines Baptisteriums aus, und jeder Bewerber musste ein Wettbewerbsrelief mit der Opferung Isaaks gießen. Filippo Brunelleschi gab einem der Knechte Abrahams, der links sitzt, die Haltung dieses Knaben, der sich über den hochgezogenen Fuß beugt, um einen Dorn herauszuziehen. Den Auftrag gewann Lorenzo Ghiberti, Brunelleschis Relief bewahrt heute das Museo del Bargello in Florenz.
Er war nicht der Einzige, der sich hier bediente. Der Dornauszieher gehörte zu den meistbewunderten und meistkopierten Statuen der Renaissance, und um 1501 schuf der Mantuaner Bildhauer, den man Antico nannte, eine kleine Fassung für Isabella d'Este, die Markgräfin von Mantua.
Das Museum nennt das Werk eklektisch. Es entstand wohl im 1. Jahrhundert v. Chr. und verbindet einen Körper nach hellenistischen Vorbildern des 3. und 2. Jahrhunderts v. Chr. mit einem Kopf, der auf griechische Werke des 5. Jahrhunderts v. Chr. zurückgeht. Später bekam der Junge eine eigene Geschichte und den Beinamen Fedele, der Getreue. Er sei ein Hirte gewesen, der dem Senat eine dringende Botschaft überbrachte und erst danach stehen blieb, um sich den Dorn aus dem Fuß zu ziehen. Die Geschichte war erfunden, und schon ein 1704 in Rom gedrucktes Stichwerk über antike Statuen tat sie als Legende ab.




