
Der Parnass
Details
Die Geschichte
Diese Wand hatte ein Hindernis. Mitten in sie schneidet ein Fenster ein, und Raffael, der hier etwa zwischen 1509 und 1511 malte, machte das Fenster zu einem Teil des Berges. Die Humanisten am Hof Julius' II. glaubten, der Vatikanhügel draußen sei einst Apollon heilig gewesen, und genau dorthin blickt dieses Fenster. Also thront Apollon auf dem Gipfel des Parnass direkt über der Öffnung, zwischen Lorbeerbäumen, umgeben von den neun Musen, während zu beiden Seiten Dichter die Hänge bevölkern, antike und solche aus Raffaels eigener Zeit.
Apollon hält keine antike Leier. Er streicht mit dem Bogen über eine Lira da braccio, ein Streichinstrument der Renaissance, wie es ein Dichter zu Raffaels Zeit tatsächlich gespielt haben könnte. Links steht der blinde Homer in Dunkelblau, das Gesicht erhoben, Vergil ist in seiner Nähe. Man nimmt allgemein an, dass Raffael Homers Kopf vom Laokoon übernahm, der antiken Marmorgruppe, die 1506 in Rom ausgegraben und von Julius im Statuenhof des Belvedere aufgestellt worden war. Aus dem Schmerz des Priesters wurde der Blick eines Mannes, der nicht sieht. Weiter unten links sitzt die einzige Frau unter den Dichtern, und die Schriftrolle in ihrer Hand nennt ihren Namen. Darauf steht Sappho.




