Jean-Léon Gérôme

Jean-Léon Gérôme

1824–1904 · Frankreich · Akademische Kunst


Die Geschichte

1856 segelte ein 32-jähriger Salonmaler namens Jean-Léon Gérôme zum ersten Mal nach Ägypten, und die Reise stellte seine ganze Laufbahn neu. Er hatte bei Paul Delaroche gelernt und sich mit sauberen klassischen Szenen einen Namen gemacht, doch die Märkte, Moscheen und das Wüstenlicht von Kairo gaben ihm ein Sujet, von dem das französische Publikum nicht genug bekam, den sogenannten Orient, gemalt mit derselben scharfkantigen Genauigkeit, die er im Atelier Delaroches gelernt hatte.

Er kehrte in den folgenden Jahrzehnten immer wieder nach Ägypten und in die weitere Region zurück, und die daraus entstandenen Bilder, zu Tausenden als Stiche über das Druckhaus seines Schwiegervaters, Goupil & Cie, verkauft, machten ihn um 1880 wohl zum berühmtesten lebenden Maler der Welt, international bekannter als jeder der Impressionisten, die quer durch Paris arbeiteten. Über drei Jahrzehnte lehrte er an der École des Beaux-Arts, und zu seinen Schülern zählten Mary Cassatt, Thomas Eakins und der osmanische Maler und Archäologe Osman Hamdi Bey.

Seine letzten Jahre verbrachte Gérôme zunehmend feindselig gegenüber der modernen Kunst, die das Paris eroberte, das er einst beherrscht hatte. Am 10. Januar 1904 fand ihn seine Haushälterin tot im kleinen Zimmer neben seinem Atelier, zusammengebrochen vor einem Bildnis Rembrandts und zu Füßen seines eigenen Gemäldes, Die Wahrheit.

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