
Jan van Eyck · PD
Bildnis eines Mannes (Kardinal Niccolò Albergati?)
Details
Die Geschichte
Wer dieser Mann ist, weiß niemand sicher. Den Namen Niccolò Albergati trägt das Bild erst seit dem 17. Jahrhundert. 1648 kaufte Erzherzog Leopold Wilhelm, damals habsburgischer Statthalter in Brüssel, die Tafel vom Antwerpener Kunsthändler Pieter Stevens, und die Benennung scheint auf dessen Zeit zurückzugehen. Ganz aus der Luft gegriffen ist sie nicht. Albergati, Kardinal und päpstlicher Gesandter, war 1435 beim Friedenskongress von Arras, auf dem sich Burgund und Frankreich aussöhnten, und van Eyck stand im Dienst des burgundischen Herzogs. Allerdings war Albergati Kartäuser und hätte Tonsur und Ordenskleid getragen. Der Dargestellte hat kurzes graues Haar und trägt weltliche Kleidung, ein rotes, pelzbesetztes Gewand mit zwei Schlitzen vorn, durch die das Pelzfutter sichtbar wird. Der Historiker Malcolm Vale schlug 1990 den englischen Kardinal Henry Beaufort vor, der ebenfalls in Arras war. Der Kunsthistoriker John Hunter bezweifelt, dass hier überhaupt ein Kardinal sitzt. Das Kunsthistorische Museum nennt das Werk deshalb Bildnis eines Mannes, setzt hinter Albergatis Namen ein Fragezeichen und datiert es um 1435, vielleicht auch 1438. Unbestritten ist das Gesicht. Das Licht fällt von links oben über die Stirnfalten, die Tränensäcke, die grauen Bartstoppeln. Eine Silberstiftstudie desselben Kopfes liegt in Dresden. Im 18. Jahrhundert machte man aus der Tafel ein Oval, später erhielt sie ihre rechteckige Form zurück.





