
Didier Descouens · PD
Venedig, die Piazzetta mit der Zeremonie der Vermählung des Dogen mit dem Meer
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Die Geschichte
Als Turner 1833 zum zweiten Mal in Venedig war, regierten dort die Österreicher, und die Republik, die mehr als 1000 Jahre bestanden hatte, war seit 1797 Geschichte. Mit ihr war ein Ritual verschwunden. Jedes Jahr an Christi Himmelfahrt hatte sich der Doge auf seiner vergoldeten Prunkgaleere, dem Bucintoro, hinaus aufs Meer bringen lassen und einen goldenen Ring in die Adria geworfen, zum Zeichen der Vermählung Venedigs mit dem Meer. Ein Jahr nach dem Ende der Republik verbrannten französische Soldaten den Bucintoro, um an sein Gold zu kommen. Turner malt hier um 1835 also eine Szene, die seit fast 40 Jahren niemand mehr gesehen hatte. Deutlich ausgeführt sind nur der Campanile von San Marco und der obere Teil des Dogenpalasts rechts. Der Doge selbst steht in der Figurengruppe links vorn, gerade im Begriff, den Ring zu übergeben, und ist wie alles um ihn herum nur angelegt. Turner hat das Bild nie vollendet, es blieb in seinem Atelier, bis es 1856 mit seinem Nachlass an die britische Nation ging.




