
Didier Descouens · PD
Apullia auf der Suche nach Appullus
Details
Die Geschichte
In Ovids „Metamorphosen“ äfft ein apulischer Hirte tanzende Nymphen nach und wird zur Strafe in einen wilden Ölbaum mit bitteren Beeren verwandelt. Turner erfand zu der Geschichte eine Ehefrau, Apullia, die ihren verschwundenen Mann sucht und von einem Hirten erfährt, was geschehen ist. Unten links steht der Name Appulus in einen Baumstamm geritzt. Das Bild schickte Turner Anfang 1814 zum jährlichen Preisausschreiben der British Institution, einer Vereinigung Londoner Sammler, das eigentlich junge, noch unbekannte Maler fördern sollte. Er war 38 und längst Vollmitglied der Royal Academy. Einsendeschluss war der 4. Januar, er lieferte am 15. Januar, ohne sich zu entschuldigen, und kam damit für den Preis nicht mehr in Frage. Die Komposition folgt fast Punkt für Punkt Claude Lorrains „Landschaft mit Jakob, Laban und dessen Töchtern“, die Turner aus Petworth kannte, dem Landsitz seines Förderers Lord Egremont. Die Kunsthistorikerin Kathleen Nicholson hat die Wahl des Stoffes als Seitenhieb gedeutet, gegen eine Institution, die Maler zum Nachahmen alter Meister anhielt. Im Februar nannte ein anonymer Leserbrief in der Londoner Wochenzeitung „The Examiner“ das Bild schlicht eine Kopie von Lord Egremonts Claude.




