
Anna selbdritt (Burlington House Karton)
Details
Die Geschichte
Um 1507 kam Leonardo aus Mailand, wo er inzwischen in französischen Diensten stand, für einige Zeit nach Florenz zurück. Im Palazzo della Signoria war damals ein großer Auftrag offen, die Altartafel für den Saal des Großen Rats. Filippino Lippi, dem man sie zuerst übertragen hatte, war 1504 gestorben, bevor er beginnen konnte. Nach einer These, die der Londoner Kurator Per Rumberg 2024 vorgelegt hat, ist diese Zeichnung Leonardos unaufgeforderter Vorschlag für eben diesen Altar. Dazu passt, dass das Blatt nie durchstochen oder durchgeritzt wurde, um die Umrisse auf eine Holztafel zu übertragen. Den Auftrag bekam schließlich 1510 Fra Bartolommeo.
Die National Gallery datiert die Zeichnung heute auf etwa 1506 bis 1508, ältere Literatur setzt sie um 1499 bis 1500 an. Sie ist mit Kohle und weißer Kreide auf acht zusammengeklebten Papierbögen gezeichnet. Maria sitzt auf dem Schoß ihrer Mutter Anna, eine Anna selbdritt, zu der hier noch der kleine Johannes tritt. Die Zeichnung hängt heute in einem kleinen, abgedunkelten Raum gleich hinter der Felsgrottenmadonna.





