1661 wollten die Erben der Basler Familie Amerbach das Kabinett der Familie nach Amsterdam verkaufen. Es umfasste rund 50 Gemälde, 15 davon von Hans Holbein dem Jüngeren, dazu Zeichnungen, Druckgrafik, Münzen, Briefe und eine Bibliothek. Auf Anraten von Bürgermeister Johann Rudolf Wettstein beschlossen Stadt und Universität, das Kabinett für 9000 Reichstaler selbst zu kaufen. Zwei Drittel der Summe zahlte der Rat, den Rest die Universität, die die Sammlung auch in ihre Obhut nahm, und 1671 wurde sie öffentlich zugänglich. Das Museum nennt sie die älteste öffentliche Kunstsammlung der Welt in städtischem Besitz.
Aus Familienbesitz wird Stadtbesitz (1519–1661)

1. Bildnis des Bonifacius Amerbach — Hans Holbein der Jüngere
Bonifacius Amerbach, der jüngste Sohn des Basler Druckers Johann Amerbach, wollte im Herbst 1519 nach Avignon, um dort sein Rechtsstudium fortzusetzen. Der Weg war weit, in Südfrankreich ging die Pest um, und deshalb, so schreibt das Museum, bestellte er das Bildnis, damit der Familie sein Gesicht bliebe, falls er unterwegs umkäme. Die lateinischen Verse für das Bild dichtete Amerbach selbst.
Holbein schrieb sie auf ein hölzernes Täfelchen, das am linken Bildrand an einem Baumstamm hängt. In den Versen spricht das Bildnis selbst. Das gemalte Gesicht stehe dem lebenden nicht nach und sei seinem Herrn ebenbürtig, und während dieser acht Triennien, also 24 Jahre, durchlebe, gebe die Kunst im Bildnis wieder, was die Natur ihm geschenkt habe. Darunter stehen die Namen Amerbachs und Holbeins und das Datum „am Tag vor den Iden des Oktober“ 1519, also der 14. Oktober, wenige Tage nachdem Amerbach 24 geworden war. Infrarotaufnahmen haben gezeigt, dass die Verse noch auf der Bildtafel selbst überarbeitet wurden. Die zweite Zeile endete zuerst mit den Worten „mit Farben gemalt“, in der endgültigen Fassung heißt das Bildnis „edel durch seine Linien“.
Amerbach selbst ist fast im Profil dem Täfelchen zugewandt und blickt daran vorbei über den Bildrand hinaus. Schwarze Mütze und schwarzer Mantel heben sich vom kühlen blauen Himmel ab, am wärmsten im ganzen Bild sind das Gesicht und der rötlich kastanienbraune Bart, und rechts unten, unter einem Ast, sieht man kleine verschneite Gipfel.
Holbein war damals etwa 22 Jahre alt. Er arbeitete schon seit einigen Jahren in Basel und zeichnete für die Basler Drucker Titelblätter und Illustrationen, und am 25. September 1519, keine drei Wochen vor dem Datum auf dem Bildnis, wurde er in die Basler Malerzunft zum Himmel aufgenommen und durfte von nun an eine eigene Werkstatt führen. 1526 ging er nach England, kehrte zwei Jahre später zurück und zog 1532 endgültig nach London.
Amerbach wurde in Avignon zum Doktor promoviert, lehrte in Basel römisches Recht und wurde der engste Vertraute des Erasmus, der ihn 1536 zu seinem Erben einsetzte. Das Bildnis blieb in der Familie, und Bonifacius’ Sohn Basilius baute um die Gemälde und Zeichnungen seines Vaters eine richtige Sammlung auf, eben jene, die die Stadt 1661 kaufte. Das Blatt, auf dem Bonifacius den Anfang seiner Verse rund 20-mal neu ansetzte und verbesserte, liegt in der Universitätsbibliothek Basel, zusammen mit Büchern und Briefen aus derselben Sammlung.

2. Der Leichnam Christi im Grabe — Hans Holbein der Jüngere
Im August 1867 machten Fjodor Dostojewski und seine Frau Anna Grigorjewna, die im Februar geheiratet hatten, auf dem Weg nach Genf einen Tag in Basel Station, um ein Bild zu sehen, von dem er gehört hatte. Es hing in dem Gebäude an der Augustinergasse, das 1849 für die öffentliche Sammlung Basels eröffnet worden war. Anna Grigorjewna notierte in ihrem Tagebuch: „Weil er es aus der Nähe betrachten wollte, stieg er auf einen Stuhl, und ich hatte große Angst, man würde ihm eine Strafe abverlangen.“ In ihren viel später geschriebenen Erinnerungen berichtete sie, das Bild habe auf ihren Mann einen „niederschmetternden Eindruck“ gemacht. Sie selbst konnte es nicht ansehen und ging in andere Säle, und als sie nach 15 oder 20 Minuten zurückkam, fand sie ihn noch an derselben Stelle, „wie festgebannt“, mit jenem erschrockenen Gesichtsausdruck, den sie aus den ersten Minuten seiner epileptischen Anfälle kannte. Sie nahm ihn am Arm und setzte ihn im Nachbarsaal auf eine Bank. Der Anfall blieb aus, und schon im Gehen bestand er darauf, noch einmal umzukehren und das Bild ein zweites Mal anzusehen.
Das berühmteste Bild der Basler Sammlung ist auf eine sehr lange, niedrige Holztafel gemalt, und der Leichnam darauf ist lebensgroß. Er liegt allein in einer engen steinernen Nische auf einem weißen Laken, das über die Kante der Steinplatte hängt. Der Kopf am linken Rand ist zurückgeworfen, der Mund offen, das sichtbare Auge verdreht, das Gesicht in den Schatten graugrün, und lange dunkle Haare hängen über die Platte. Unter der Haut zeichnen sich die Rippen ab, unter der Seitenwunde dunkelt ein Bluterguss. Die rechte Hand liegt am Oberschenkel, den Handrücken dem Betrachter zugewandt, mit der dunkelroten Nagelwunde, und der Mittelfinger reicht bis an die Kante der Platte. Auf der Stirnwand über den Füßen stehen „M.D.XXI“ und „H.H“, so gemalt, als wären sie in den Stein gehauen.
Nach Ansicht des Museums hat wahrscheinlich Bonifacius Amerbach das Bild bestellt (zu ihm und zu Holbein siehe Nr. 1), und es blieb bis zum Kauf von 1661 in seiner Familie. Eine Untersuchung von 2021 hat gezeigt, dass die Nische zuerst kleiner und gewölbt war. Holbein baute sie zu einem rechteckigen Kasten um und malte Signatur und Datum neu auf die neue Wand. Zuerst lautete das Datum MDXXII, und die letzte Eins übermalte er beim Abschluss der Arbeit in der Farbe des Steins.


Dostojewski nahm das Bild in seinen Roman Der Idiot auf, der 1868 und 1869 erschien. Eine Kopie davon hängt im düsteren Haus Rogoschins, und Fürst Myschkin bemerkt bei ihrem Anblick, über einem solchen Bild könne mancher noch seinen Glauben verlieren. Später beschreibt eine andere Figur des Romans, Ippolit, das Bild ausführlich und fragt, wie Menschen, die einen solchen Leichnam gesehen hatten, an die Auferstehung glauben konnten. Nach der Zählung des Museums kommt das Bild im Roman fünfmal vor.
3. Bildnis der Familie des Künstlers — Hans Holbein der Jüngere
Der Zürcher Maler Hans Asper besaß dieses Bild bereits 1543, als Holbein in London starb, und wollte es niemandem verkaufen, nicht einmal Basilius Amerbach. Holbeins Frau Elsbeth hatte sich von dem Bild getrennt, Dokumente darüber, wie es zu Asper kam, haben die Historiker jedoch nicht gefunden. Basilius bekam es erst nach Aspers Tod 1571, für sechs Kronen, über den Zürcher Apotheker Georg Clauser, und ins Amerbach-Kabinett kam es nach Angaben des Museums 1579.
Holbein malte Elsbeth mit den beiden älteren Kindern, Philipp und Katharina, um 1528, nach seiner Rückkehr von der ersten Englandreise (zu ihm siehe Nr. 1). Er malte auf Papier, und später wurden die Figuren entlang der Umrisse ausgeschnitten und auf eine Lindenholztafel geklebt. Elsbeth blickt nach unten, an den Kindern vorbei, ihre Lider sind schwer und gerötet, die Mundwinkel hängen herab, und ihre rechte Hand, groß und schwer, liegt auf der Schulter des Sohnes. Philipp hat den Kopf im strengen Profil in den Nacken gelegt und schaut nach rechts oben, und auch die kleine Katharina auf dem Schoß der Mutter schaut nach rechts, über den Bildrand hinaus.

Manche Forscher meinen, das Bild sei größer gewesen und rechts sei vielleicht Holbein selbst an der Staffelei zu sehen gewesen. Sie berufen sich darauf, dass beide Kinder nach rechts blicken, und auf Infrarotaufnahmen, nach denen Philipps Kopf zuerst an anderer Stelle gemalt war. Der Rand des ausgeschnittenen Papiers ist entlang der Kontur zu erkennen: Um Elsbeths Haube läuft eine feine helle Linie, und die Finger von Katharinas ausgestreckter Hand enden am rechten Rand an einem geraden Schnitt. Auf der rötlichen Bank in der rechten unteren Ecke ist „152“ stehen geblieben, und die letzte Ziffer der Jahreszahl ging mit dem abgeschnittenen Stück verloren.
4. Lais von Korinth — Hans Holbein der Jüngere
Über die Vorderkante der grauen steinernen Brüstung läuft die Inschrift „LAIS CORINTHIACA 1526“, der Name der berühmten griechischen Hetäre Lais von Korinth und eine Jahreszahl. Die rechte Hand der jungen Frau liegt mit der Handfläche nach oben auf der Brüstung, die Finger entspannt, daneben ein Häufchen Goldmünzen, und eine Münze liegt für sich. Die Frau blickt nach unten, zu ihrer offenen Hand. Sie trägt ein rotes Samtmieder mit Schlitzen, aus denen weißes Leinen hervorgezogen ist, und riesige ockerorange Seidenärmel, im Haar ein goldenes Netz, und hinter ihr hängt ein schwerer grüner Vorhang. Holbein malte die Tafel 1526 in Basel, im Jahr seiner Abreise nach England (zu ihm siehe Nr. 1).
Der Überlieferung nach war Lais die Geliebte des Apelles, des berühmtesten Malers der Antike, und die Basler Humanisten nannten Holbein einen „Apelles“. Daher kommt die Deutung, an die sich einige Kunsthistoriker halten: Das Bild handle von der Malerei selbst und davon, dass man für Schönheit großzügig bezahlen muss.
Wer Holbein Modell saß, weiß man aus einer einzigen Zeile. Basilius Amerbach notierte in den 1580er-Jahren, rund 60 Jahre nachdem die Tafel gemalt worden war, im Inventar der Sammlung, auf zwei Täfelchen sei eine Frau aus der Familie Offenburg dargestellt, und auf einem stehe „Lais Corinthiaca“. Die Offenburg waren eine Basler Familie, und seither gilt als Modell mal die Witwe Magdalena Offenburg, mal ihre Tochter Dorothea, obwohl außer diesem Eintrag nichts die beiden mit dem Bild verbindet. Später kam die durch nichts belegte Legende auf, Magdalena sei Holbeins Geliebte gewesen.
Das zweite Täfelchen aus demselben Eintrag, Venus und Amor, ist ebenfalls in Basel. Der Kunsthistoriker Jochen Sander kam nach einer technischen Untersuchung zu dem Schluss, dass es eine Wiederholung der Lais ist, gemalt von einem Werkstattgehilfen, der ihre Umrisse spiegelverkehrt übertrug und die Haltung der Hand veränderte.
Der Rat weist einen Kurfürsten ab (1529–1771)

5. Die Passion Christi — Hans Holbein der Jüngere
Am 4. Oktober 1641 wies der Kleine Rat von Basel den Gesandten des bayerischen Kurfürsten Maximilian I. ab, der gekommen war, um der Stadt acht Szenen der Passion Christi von Holbein abzukaufen. Laut Protokoll wurde der Gesandte „mit aller Freundlichkeit“ verabschiedet, mit Wein bewirtet und mit Geleit versehen. Der französische Reisende Charles Patin schrieb später, 1673, der Kurfürst habe für die Tafeln 30.000 Gulden geboten. Der Maler Joachim von Sandrart, der Maximilian porträtiert hatte, erzählte in seiner Teutschen Academie von 1675, er selbst habe dem Kurfürsten die Tafeln während der Sitzungen gerühmt, der Gesandte habe die Sache ungeschickt angefasst, und nach der Absage sei die Stadt von ihrem Wert nur umso fester überzeugt gewesen.
Holbein (zu ihm siehe Nr. 1) malte sie Mitte der 1520er-Jahre als Außenseiten der Flügel eines geschnitzten Altars, wahrscheinlich für das Basler Münster. Das Schnitzwerk, über dem sich die Flügel schlossen, ist nicht erhalten, und die Flügel selbst kamen vermutlich 1529, während des Basler Bildersturms, ins Rathaus. Die mittleren Tafeln sind höher als die äußeren, sodass der obere Rand des gemeinsamen Rahmens zur Mitte hin in Stufen ansteigt und den Umriss des verlorenen Altars nachzeichnet. Auf jeder Tafel stehen zwei Szenen übereinander, getrennt durch einen Streifen vergoldeten Ornaments. Die ersten drei Szenen der oberen Reihe spielen bei Nacht, das Gebet am Ölberg, die Gefangennahme und Christus vor Kaiphas, und ihr Licht kommt von Fackeln und Feuer im Bild selbst. In der zweiten küsst Judas in Gelb Christus inmitten einer Menge mit Fackeln und Hellebarden, und links unten hebt der graubärtige Petrus die Klinge über den gestürzten Malchus. Die Soldaten tragen Rüstungen und geschlitzte Hosen, wie man sie in den 1520er-Jahren trug, die Architektur ringsum ist italienisch. Sandrart lobte an diesen Tafeln den „Verstand des Tag- und Nacht-Liechts“.
1770 übergab der Rat die Flügel als Geschenk der Basler Regierung an die öffentliche Sammlung, die damals von der Universität verwaltet wurde. 1771 beauftragte die Universität den Maler Johann Nikolaus Grooth, einen gebürtigen Stuttgarter, der in Basel als Porträtist arbeitete, die Tafeln zu reinigen und Schäden auszubessern, und die acht Szenen sind offenbar seither in einem Rahmen vereint. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts warf man Grooth vor, er habe die Malerei zugrunde gerichtet. 1997 untersuchte der Kunsthistoriker Bernd Lindemann die Tafeln und fand keine Spuren späterer Übermalung, die ebenmäßige glatte Oberfläche, für die man Grooth gescholten hatte, stammt also von Holbein selbst.

Die Erben verlieren vor Gericht (1667–1823)

6. Der Tod und das Mädchen — Hans Baldung Grien
Der Basler Jurist Remigius Faesch, Professor der Rechte und dreimal Rektor der Universität, legte das zweite große Privatkabinett Basels an, mit Gemälden, Münzen, Büchern, Druckgrafik und Zeichnungen, und diese Tafel Baldungs besaß er schon zu Lebzeiten. Er starb 1667 unverheiratet und verfügte im Testament, die Sammlung solle in der Familie bleiben, solange ein Nachkomme mit juristischem Doktorgrad sie verwalten könne.
Baldung, in jungen Jahren Geselle in Dürers Nürnberger Werkstatt, setzte auf die Tafel die Jahreszahl 1517, als er nach fast fünf Jahren Arbeit am Hochaltar des Freiburger Münsters nach Straßburg zurückkehrte. Oben steht in goldenen Buchstaben „HIE MVST DV YN“, „Hier musst du hinein“. Der Tod ist hier ein brauner, lederner, halb verwester Leichnam mit kahlem Schädel, leeren Augenhöhlen und einem zerrissenen Loch in den Rippen. Der Tote steht hinter der rechten Schulter des Mädchens und hält in der Faust eine Strähne ihres rötlichen Haars, und das Haar fließt nach unten und verschmilzt mit den Fleischfetzen an seinem Bein. Das bleiche nackte Mädchen weint, die Augen sind verdreht, Tränen laufen ihr über die Wangen, und die gefalteten Hände drückt sie an seinen knochigen Unterarm, als flehe sie den Toten selbst an. Mit der anderen Hand weist er nach unten, laut der Beschreibung des Museums in das offene Grab. Der durchsichtige Schleier um ihre Hüften ist mit ein paar weißen Linien gemalt und verhüllt nichts.
Die Universität versuchte mehrmals, an die Sammlung Faesch zu kommen, und ein Anlass fand sich, als Johann Jakob Faesch Verwalter wurde, ein Jurist ohne Doktorgrad. In Basel konnte er ihn nicht erwerben, weil der Lehrstuhl für Recht unbesetzt war. Das Gericht erster Instanz entschied zugunsten der Familie. 1823 nahm das Appellationsgericht den Faesch die Sammlung ab und sprach sie der Universität zu, ohne zu berücksichtigen, dass der Erbe inzwischen in Freiburg zum Doktor der Rechte promoviert worden war.
Das Museum findet den Namen des Malers (1890er-Jahre)

7. Die Synagoge (Heilsspiegelaltar) — Konrad Witz
Die Basler Tafeln dieses Altars galten bis Mitte der 1890er-Jahre als Werke der „Schule des Geertgen tot Sint Jans“, eines niederländischen Malers aus Haarlem. Den Namen ihres wirklichen Urhebers hatte man da schon gelesen, allerdings in Genf. Auf dem Rahmen des Genfer Altars von 1444 steht „Conradus Sapientis de Basilea“, die lateinische Form des Namens Konrad Witz aus Basel, und 1845 las der Genfer Forscher Blavignac diese Inschrift und vermutete darin den Namen des Malers. Mit Basel brachte sie niemand in Verbindung. Mitte der 1890er-Jahre bemerkten Daniel Burckhardt, Konservator der Basler Sammlung, und der Genfer Jaques Mayor, dass die Genfer Flügel und die Basler Tafeln von derselben Hand gemalt sind. Mayor veröffentlichte das 1896, Burckhardt 1901. Eine Signatur trägt der Basler Altar nicht, und das Museum hält die Urheberschaft von Witz wegen der Ähnlichkeit mit dem Genfer Altar für sehr wahrscheinlich.

Der Altar entstand vermutlich um 1435 für die Basler Kirche St. Leonhard, und die Synagoge gehörte zur Außenseite des rechten Flügels. Eine junge Frau steht in einem leeren steinernen Raum mit grauen Wänden, in einem riesigen giftgelben Kleid, das in gebrochenen Falten auf den Boden fällt. Ihre Augen sind geschlossen, und quer darüber liegt eine durchsichtige Binde, gemalt mit ein paar feinen weißen Linien, die man leicht übersieht. Ihr Gesicht ist kreidebleich, der Kopf gesenkt. An ihre rechte Schulter gelehnt stehen zwei graue steinerne Gesetzestafeln, und mit der rechten Hand stützt sie sie unten, auf Hüfthöhe. Die Buchstaben auf den Tafeln sehen hebräisch aus, das Museum nennt sie jedoch ein „Fantasie-Hebräisch“. In der linken Hand hält sie einen dünnen goldenen Schaft, der oben gebrochen ist, mit einem roten Fähnchen, und am rechten Rand ist in einer Öffnung ein Streifen leuchtendes Blau zu sehen.
Augenbinde, gebrochene Lanze und entgleitende Gesetzestafeln waren in der mittelalterlichen Kunst die üblichen Merkmale der Synagoge. Man stellte sie der Ecclesia, der Kirche, als Gegenstück gegenüber und verkörperte in ihr die Juden, die Christus nicht anerkannt hatten. Witz behielt alle diese Merkmale bei und malte eine junge, anmutige Frau von derselben Größe und Gestalt wie die Ecclesia auf der Gegentafel, die einen roten Mantel trägt, die Augen offen hat und Kelch und Kreuz hält.
Die Synagoge schenkte der Basler Sammler Peter Vischer-Passavant dem Museum 1843, und auch die anderen Tafeln kamen im 19. Jahrhundert als Geschenke Basler Familien hinzu. Die Ecclesia kaufte das Museum 1928 mit Geld der Regierung, zweier Stiftungen und vieler Kunstfreunde, und der Verkündigungsengel ist seit demselben Jahr als Depositum der Gottfried Keller-Stiftung im Museum (zur Stiftung siehe Nr. 8). Von den 14 erhaltenen Teilen des Altars sind neun in Basel. Der Altar wurde irgendwann zerlegt, und die Tafeln wurden der Dicke nach durchgesägt, um Vorder- und Rückseiten zu trennen, sodass aus der Rückseite der Synagoge ein eigenes Bild wurde, Die Königin von Saba vor Salomo, das sich in Berlin befindet.
Die Eidgenossenschaft kauft das Bild eines Basler Malers (1920)
8. Die Toteninsel (erste Fassung) — Arnold Böcklin
Der gebürtige Basler Böcklin, der damals in Florenz lebte, malte dieses Bild im Frühjahr 1880 für seinen Förderer Alexander Günther, lieferte es Günther aber nicht aus. Während die Leinwand noch unvollendet im Atelier stand, kam Marie Berna, die Witwe eines Finanziers, zu ihm und bat um ein Bild „zum Träumen“, und für sie malte Böcklin eine zweite Fassung, die sich im Metropolitan Museum in New York befindet. Insgesamt gibt es fünf Fassungen.
Die Insel nimmt den mittleren Streifen der breiten Leinwand ein, darüber ein leerer dunkler Nachthimmel, darunter fast schwarzes, glattes Wasser. Zwei Felsen, von warmem goldbraunem Licht beschienen, öffnen sich nach beiden Seiten, zwischen ihnen ragen hohe schwarze Zypressen auf, und in die Felsen sind rechteckige Eingänge zu Grabkammern gehauen. Ein kleines Boot hält auf den weißen Anleger zwischen den Felsen zu. An seinem einen Ende sitzt ein dunkel gekleideter Ruderer, hinter ihm steht, mit dem Rücken zum Betrachter, eine von Kopf bis Fuß in leuchtendes Weiß gehüllte Gestalt, und am anderen Ende, rechts, steht ein Sarg unter einem weißen Tuch. In der linken unteren Ecke ist im dunklen Wasser kaum sichtbar das Monogramm „AB“ zu erkennen.
1920 kaufte die Gottfried Keller-Stiftung das Bild. Sie war 1890 mit dem Vermögen gegründet worden, das Lydia Welti-Escher der Schweizerischen Eidgenossenschaft übertragen hatte, und nach dem Dichter Gottfried Keller benannt. Über die Ankäufe der Stiftung entscheidet eine vom Bundesrat eingesetzte Kommission, und die erworbenen Werke gibt die Stiftung als Depositum an Schweizer Museen, oft dorthin, wo sie herkommen. Eigentümerin der Toteninsel ist die Stiftung, also die Eidgenossenschaft, und das Kunstmuseum Basel verwahrt sie seit 1920 als Depositum.
Die ersten modernen Bilder (1931–1937)

9. Senecio — Paul Klee
Fast das ganze Bild füllt ein runder Kopf auf kurzem Hals, und das Gesicht ist in flache Farbfelder zerlegt: die blassgelbe rechte Schädelhälfte, ein rosa Streifen über beide Wangen, weiße, cremefarbene und gelbe Quadrate am Kinn. Die Augen sind mit einer einzigen dünnen Linie umrissen, die sich über der Nasenwurzel zu einer Acht kreuzt, die Pupillen darin sind flache dunkelrote Scheibchen, und das linke Auge sitzt höher als das rechte. Über dem linken Auge steht ein weißes Dreieck mit scharfer Spitze, über dem rechten ein dunkelgrüner Bogen, sodass eine Braue wie hochgezogen wirkt. Der Mund besteht aus zwei kleinen dunkelvioletten Quadraten, gegeneinander versetzt. Die Farbe ist dünn aufgetragen, und durch sie scheinen der Kreidegrund und das Gewebe der auf Karton geklebten Gaze hindurch, am deutlichsten im Weiß der Augen.
Senecio ist der lateinische Name des Greiskrauts, eines Unkrauts, dessen weiße, flaumige Samenköpfe einem grauen Haarschopf ähneln, und der Pflanzenname kommt vom lateinischen Wort für „Greis“. In seinem Werkverzeichnis gab Klee dem Bild auch den deutschen Titel „Baldgreis“. Am linken Rand schrieb er „KLEE“ und darunter „1922 /// 181“, das Jahr und die Nummer in seinem eigenen Werkverzeichnis.
Klee wurde 1879 bei Bern geboren, blieb aber durch seinen deutschen Vater zeitlebens deutscher Staatsbürger. Ab 1921 lehrte er am Bauhaus und malte Senecio in Weimar, in seinem zweiten Jahr dort. 1933 entließen ihn die Nationalsozialisten von der Düsseldorfer Akademie, und Ende desselben Jahres ging er nach Bern. 1937 wurden seine Werke aus deutschen Museen beschlagnahmt (eines davon, Villa R, ist in Nr. 13 beschrieben). 1939 reichte Klee ein Gesuch um das Schweizer Bürgerrecht ein und starb am 29. Juni 1940, ohne Schweizer geworden zu sein.
Das Museum kaufte Senecio 1931 von den Münchner Kunsthändlern Günther und Sophie Franke. Zusammen mit Blaue Iris I von Emil Nolde gehörte es zu den ersten modernen Bildern der Sammlung, und im neuen Hauptbau des Museums, der 1936 eröffnet wurde, gab es außer diesen beiden und wenigen weiteren Werken kaum moderne Kunst.


10. Marguerite Gachet am Klavier — Vincent van Gogh
Mehr als 40 Jahre hing dieses Bild im Schlafzimmer von Marguerite Gachet, im Haus ihres Vaters, des Arztes Paul Gachet, in Auvers-sur-Oise. 1934 reisten zwei Mitglieder der Kunstkommission des Basler Museums, Direktor Otto Fischer und der Sammler Rudolf Staechelin, nach Auvers, um es sich im Haus Gachet anzusehen, und im selben Jahr kaufte das Museum das Bild.
Van Gogh kam im Mai 1890 nach Auvers, um in der Nähe von Doktor Gachet zu leben, malte dessen Tochter im Sommer desselben Jahres und starb Ende Juli. In einem Brief an seinen Bruder Theo zählte er die Farben auf: „Das Kleid ist rosa. Die Wand im Hintergrund grün mit orangefarbenen Punkten, der Teppich rot mit grünen Punkten, das Klavier dunkelviolett.“ Die Leinwand ist schmal, doppelt so hoch wie breit. Marguerite sitzt im Profil, über die Tasten gebeugt, das Haar zu einem Knoten aufgesteckt, das Klavier wird vom linken Bildrand angeschnitten, und darauf stehen Noten und eine nicht angezündete Kerze. Orangefarbene Punkte bedecken die Wand bis zur halben Höhe der Leinwand, und unten rechts liegt der rote Teppich mit kurzen grünen Strichen.
Das Rot im Kleid ist mit der Zeit verblasst, und das rosa Kleid wirkt fast weiß, mit blassgrünen und gelben Pinselstrichen, zwischen denen hier und da rosarote Äderchen zu sehen sind.

11. Bildnis des Reichspräsidenten Friedrich Ebert — Lovis Corinth
Das Geld für dieses Bildnis gaben 1937 die Gewerkschaften und das Erziehungsdepartement des Kantons Basel-Stadt, und gekauft hat es Museumsdirektor Otto Fischer von der Witwe von Lovis Corinth. Das Museum schreibt dazu: „Die Ablehnung innerhalb der Kunstkommission war jedoch stark. Es brauchte Fischers Stimme, um den Ankauf durchzusetzen.“ Im selben Jahr begann man, Bilder Corinths aus deutschen Museen zu entfernen (davon in Nr. 15).
Der Sozialdemokrat Ebert war damals Reichspräsident, und Corinth malte ihn im März 1924 in dessen Berliner Wohnung. Der Maler wollte den Präsidenten sitzend malen, doch Ebert lehnte ab, mit dieser Haltung habe er schlechte Erfahrungen gemacht, und so malte Corinth ihn stehend. In seiner Selbstbiographie schrieb er: „Mich interessierte sein Kopf durch seine interessante Häßlichkeit ungemein.“ Ebert steht fast frontal und sieht den Betrachter direkt an. Licht aus einem Fenster mit Tüllgardinen am linken Rand fällt auf die eine Hälfte des Gesichts, die andere liegt in braunem Schatten. Der dunkle Zweireiher ist auf der beleuchteten Seite mit leuchtenden Bahnen aus Ultramarin und Blauviolett gemalt, die rechte Hand hängt vor dem Sakko, die linke ist in die Hüfte gestemmt, und die Beine im unteren Drittel der Leinwand sind nur angedeutet. In der rechten oberen Ecke steht auf der Wand „Lovis Corinth / im März 1924“.
Corinth war damals 65 Jahre alt. Seit einem Schlaganfall im Dezember 1911 war er teilweise gelähmt, malte aber weiter. Er starb im Juli 1925.
Sommer 1939: Käufe aus den Depots des Reichs
12. Tierschicksale — Franz Marc
Das rechte Drittel dieser Leinwand verbrannte im Winter 1916/17 im Lager einer Berliner Kunstspedition, wo das Bild nach Marcs Gedächtnisausstellung in der Berliner Galerie „Der Sturm“ untergebracht war. Marc selbst war am 4. März 1916 vor Verdun gefallen. Ein Jahr vor seinem Tod hatte er an der Front eine Postkarte mit einer Reproduktion dieses Bildes bekommen und seiner Frau Maria geschrieben, das Bild sei „wie eine Vorahnung dieses Krieges, schauerlich und ergreifend“, und weiter: „ich kann mir kaum vorstellen, daß ich das gemalt habe!“
Marc malte das Bild im Frühjahr 1913 und nannte es zuerst „Die Bäume zeigten ihre Ringe, die Tiere ihre Adern“. Vor der ersten Ausstellung benannte er es auf Rat seines Freundes Paul Klee (zu ihm siehe Nr. 9) um, und 1919 stellte Klee den verbrannten Teil nach einem vorbereitenden Aquarell und nach Fotografien wieder her. Das Museum schreibt, dass er den Verlust mit deutlich dunkleren Tönen sichtbar ließ. In den linken zwei Dritteln, die Marc gemalt hat, durchkreuzen Diagonalen die Leinwand, von oben stürzt ein riesiger rotbrauner Stamm zum rechten Rand, in der Mitte bäumt sich ein blaues Reh mit zurückgeworfenem Kopf auf, weiter links sind zwei grüne Pferdeköpfe mit offenen Mäulern. Darunter liegt ein weißes Dreieck mit feinen roten Äderchen, eben die „Adern“ aus dem ersten Titel, und am linken Rand die Schnittfläche eines Stammes mit Jahresringen. Das rechte Drittel, das Klee malte, ist trüb, braunoliv, mit blassen roten und graugrünen Linien, und die Grenze zwischen ihm und Marcs satten Farben verläuft unregelmäßig wie ein verkohlter Rand.
Nach Marcs Tod blieb das Bild bei seiner Witwe, 1930 kaufte es das städtische Museum in Halle, 1937 beschlagnahmte es das Reichspropagandaministerium als „entartete Kunst“, und 1938 kam es ins Depot im Schloss Schönhausen in Berlin, wo die Werke gesammelt wurden, die die Behörden für den Verkauf ins Ausland für geeignet hielten. Im Sommer 1939 kaufte Basel 21 Werke aus deutschen Museen, acht am 30. Juni auf der Auktion der Galerie Theodor Fischer in Luzern und 13 über die Berliner Kunsthändler Karl Buchholz und Hildebrand Gurlitt, und bezahlte sie aus einem Sonderkredit des Kantons über 50.000 Franken. Im Juli schrieb der neue Museumsdirektor Georg Schmidt dem Kritiker Paul Westheim: „Es kommt mir wie ein Märchen vor, wenn nicht die Umstände, die dazu geführt haben, so grauenhaft real und brutal wären.“ Tierschicksale war der erste dieser Käufe. Schmidt hatte das Bild im Mai im Depot Schönhausen gesehen und den Kauf vereinbart, noch bevor der Kanton den Kredit bewilligt hatte. Mit einem Telegramm vom 10. Mai 1939 bot er Gurlitt, der es im Auftrag des Ministeriums verkaufte, 6000 Franken, bezahlt hat er am Ende 6900.


13. Villa R — Paul Klee
Pauline Kowarzik, eine Frankfurter Malerin und Sammlerin, kaufte dieses Bild im November 1919, im selben Jahr, in dem Klee es gemalt hatte. Seit 1916 gehörte sie als erste Frau der Ankaufskommission der Städtischen Galerie in Frankfurt an. 1926 verkaufte die durch die Inflation verarmte Kowarzik dieser Galerie, die im Städel untergebracht war, fast ihre ganze Sammlung moderner Kunst, 34 Werke, gegen eine Leibrente. Im August 1937 wurde Villa R im Städel beschlagnahmt.
Das Bild ist klein, eine Nachtszene auf fast schwarzem Grund. Links von der Mitte steht die Villa, aus flachen Blöcken gefügt, weiß, rosa, kühlblau und violett, mit einem großen Fenster, das in dunkelrote Quadrate geteilt ist. Eine breite rote Straße kommt von links unten herein, führt vor dem Haus vorbei und läuft schmaler werdend nach oben zum rechten Rand. Auf der Straße rechts vom Haus steht ein großes graugrünes R mit Serifen, im selben stumpfen Grün wie die Hügel. In der linken oberen Ecke steht ein grüner Halbkreis, in der rechten ein gelber Vollmond. Nach Angaben des Museums ist es eines der ersten Ölbilder Klees, der zuvor lange nur auf Papier gearbeitet hatte. Im selben Jahr malte er Stadt R mit einem großen schwarzen Buchstaben, und das Münchner Lenbachhaus, das jenes Bild besitzt, nennt die Bedeutung des Buchstabens verschlüsselt.
Am 30. Juni 1939 versteigerte die Galerie Theodor Fischer in Luzern 125 Werke, die aus deutschen Museen beschlagnahmt worden waren, und 86 davon gingen an Sammlungen außerhalb Deutschlands. Die Basler Delegation hatte nicht vor, auf Villa R zu bieten, das im Katalog unter Nummer 59 als „Haus am Weg“ geführt wurde, und kaufte es mit dem Geld, das nach den geplanten Käufen übrig geblieben war. Von Klees Ölbildern kamen nur zwei unter den Hammer, Villa R und Klostergarten, und der Klostergarten verbrannte 1940.


14. Selbstbildnis als Halbakt mit Bernsteinkette II — Paula Modersohn-Becker
Im Februar 1906 verließ Paula Modersohn-Becker ihren Mann, den Maler Otto Modersohn, ging aus dem Künstlerdorf Worpswede bei Bremen fort und arbeitete allein in Paris. In diesem Jahr malte sie rund 15 Selbstbildnisse. Für einige ließ sie sich nackt fotografieren, wohl von ihrer Schwester Herma, und dieses Selbstbildnis ist laut Museum nach einer Fotografie gemalt. Das Museum hält es für eines der ersten Aktselbstbildnisse überhaupt und meint, sie habe es wahrscheinlich nicht öffentlich zeigen wollen.
Sie sieht den Betrachter mit großen dunklen Augen an, den Kopf leicht geneigt, die festen, leuchtend roten Lippen zu einem kleinen, verhaltenen Lächeln geschlossen. Im Haar trägt sie drei rosa Blüten. Die lange Kette aus großen Bernsteinperlen ist mit flachen senfockerfarbenen Kreisen gemalt und hängt in einem Hufeisenbogen bis unter die Brust. Mit der erhobenen rechten Hand hält sie zwischen den Fingerspitzen eine rosa Blüte an kurzem Stiel, die linke Hand liegt quer vor dem Körper und ist im Gelenk steil nach oben abgeknickt. Hinter ihr stehen dichte dunkelblaue Stängel mit Blättern vor einem blassen graublauen Grund. Das Museum erkennt hier den Einfluss antiker Mumienporträts, frontal, mit großen Augen und einer Blume in der Hand.
Im Frühjahr 1907 kehrte sie mit ihrem Mann nach Worpswede zurück, brachte am 2. November eine Tochter zur Welt und starb am 20. November mit 31 Jahren. Zum ersten Mal ausgestellt wurde das Selbstbildnis 1913, und im selben Jahr kaufte es der Hannoveraner Sammler Herbert von Garvens-Garvensburg. 1928 erwarb das Kestner-Museum in Hannover das Bild von ihm, und 1937 wurde es dort beschlagnahmt.

In Luzern kam es am 30. Juni 1939 als Nummer 97 zum Aufruf. Am Tag vor der Auktion hatte der Kanton 50.000 der erbetenen 100.000 Franken bewilligt, und die Kunstkommission kaufte dieses Bild, obwohl der Preis über dem Limit lag, das sie selbst festgesetzt hatte. Am selben Tag verzichtete Basel auf Picassos Familie Soler, weil dafür fast der ganze Kredit draufgegangen wäre. Basel besitzt noch zwei weitere Bilder von Modersohn-Becker, die 1939 über Buchholz gekauft wurden, und eines davon, Knabe mit Katze, war ebenfalls im Kestner-Museum beschlagnahmt worden.

15. Ecce Homo — Lovis Corinth
Der Maler Adolf Ziegler sagte am 19. Juli 1937 in München bei der Eröffnung der Ausstellung „Entartete Kunst“, Corinth habe „nach seinem zweiten Schlaganfall nur noch krankhafte und unverständliche Schmierereien“ hervorgebracht. Unter den sieben Bildern Corinths in der Ausstellung waren drei aus der Berliner Nationalgalerie, darunter Ecce Homo. Es war am 7. Juli aus der Galerie geholt worden, in der ersten Beschlagnahmewelle, als man Werke für München zusammentrug. Insgesamt wurden 45 Bilder Corinths aus deutschen Museen beschlagnahmt. Eva Reifert, Kuratorin am Kunstmuseum Basel, sagte 2017, über die Frage, ob dieses Bild als „entartet“ gelten solle, habe es damals offenbar keine einhellige Meinung gegeben, obwohl es auf zahlreichen Fotografien der Münchner Ausstellung zu sehen ist.
Corinth malte es 1925, in seinem letzten Lebensjahr (zu ihm siehe Nr. 11), und Modell standen ihm nach Angaben des Museums Bekannte. Die drei lebensgroßen Figuren stehen Schulter an Schulter und werden vom unteren Bildrand an den Knien abgeschnitten. In der Mitte steht der junge Christus mit der Dornenkrone in einem roten ärmellosen Gewand, Gesicht, Schultern und Arme sind mit Blut bespritzt, die gekreuzten Handgelenke mit einem dicken Strick gefesselt. Links zeigt Pilatus in einem weißen Kittel, gemalt mit Bleiweiß und kühlen blauen Tönen, ein gelbes Band um die Stirn, mit offener Hand auf Christus. Rechts steht ein kahlköpfiger Soldat in dunkler Stahlrüstung, und zu ihm führt der Strick von Christi gefesselten Händen. Rot, Schwarzgrau und Weiß stehen als drei große Flächen nebeneinander, der Pinselstrich ist überall schnell und pastos, und am sorgfältigsten gemalt ist das Gesicht Christi. In der linken oberen Ecke schrieb Corinth auf die Leinwand „Ecce Homo. / Lovis Corinth / 1925“.
Nach Corinths Tod blieb das Bild bei seiner Witwe, 1929 kaufte es die Nationalgalerie, und im August 1938 kam es, bereits beschlagnahmt, ins Depot Schönhausen. Ende Mai 1939 war Georg Schmidt in Berlin und wählte zusammen mit dem Kunsthändler Karl Buchholz Werke aus, die dann zur Ansicht nach Basel geschickt wurden. Am 12. Juni erwarb Buchholz Ecce Homo für Basel vom Propagandaministerium, und nach der Luzerner Auktion wählte die Kunstkommission aus der Sendung noch 12 Werke aus, darunter dieses Bild. 1949 setzte Paul Ortwin Rave, der die Nationalgalerie geleitet hatte, als das Bild dort beschlagnahmt wurde, Ecce Homo auf den Umschlag seines Buches Kunstdiktatur im Dritten Reich, eines der ersten Bücher über die Kampagne gegen die „entartete Kunst“.

Emigranten schenken, das Museum holt Verpasstes nach (1941–1977)
16. Ta matete (Der Markt) — Paul Gauguin
Dieses Bild schenkte Robert von Hirsch der Stadt Basel, als er 1940 das Schweizer Bürgerrecht erhielt, und ins Inventar des Museums kam es 1941. Hirsch wurde 1883 in Frankfurt am Main in eine assimilierte jüdische Familie geboren, trat 1898 in die Lederfirma seiner Verwandten in Offenbach ein, erhielt 1913 vom Großherzog von Hessen das Adelsprädikat „von“ und wurde 1917 Alleininhaber der Firma. Zu sammeln begann er um 1907, und zu seiner Sammlung gehörten mittelalterliche Goldschmiedearbeiten und Emails, Zeichnungen Dürers, Handschriften und neuere französische Malerei. Er plante eine große Schenkung an die Frankfurter Museen, emigrierte jedoch 1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, nach Basel, wo die Firma eine Niederlassung hatte, und brachte die ganze Sammlung dorthin, bis auf ein Bild (davon in Nr. 19).

Gauguin malte Ta matete 1892 während seines ersten Aufenthalts auf Tahiti. Auf Tahitianisch heißt das „Markt“, und unter diesem Titel führt das Museum das Bild. Bekannt ist es außerdem als Heute gehen wir nicht zum Markt, ein Titel, der die tahitianischen Wörter nicht übersetzt. Fünf Frauen in langen, hochgeschlossenen Kleidern sitzen in einer Reihe auf einer grünen Bank, jedes Kleid in einer einzigen flachen Farbe, vom fast schwarzen Grün links bis zum Gelb rechts. Ihre Köpfe sind mal im strengen Profil, mal gedreht, die erhobenen Hände zeigen die Handflächen, und nur die mittlere Frau blickt den Betrachter direkt an. Diese Reihe baute Gauguin nach einer ägyptischen Wandmalerei auf, einer Gastmahlszene aus dem Grab des Schreibers Nebamun im British Museum, von der er eine Fotografie nach Tahiti mitgenommen hatte. Er malte auf Jute, und das grobe Gewebe scheint überall durch die dünne, matte Farbe hindurch.
In Basel heiratete Hirsch 1945 die Bildhauerin Martha Dreyfus-Koch, und 1955 verlieh ihm die Universität Basel die Ehrendoktorwürde. Mit dem Museum entzweite er sich später. Hirsch war der Ansicht, moderne Kunst sollten Privatsammler kaufen, während sich Museen an das Anerkannte halten sollten, und als das Kunstmuseum unter Direktor Franz Meyer begann, neue amerikanische Malerei zu erwerben, gab er den Gedanken auf, der Stadt seine ganze Sammlung zu hinterlassen. Er starb am 1. November 1977 in Basel, und der größte Teil der Sammlung wurde nach seinem Testament 1978 bei Sotheby’s in London versteigert.
17. Frau mit Mandoline (nach Corot) — Juan Gris
Camille Corot malte zwischen etwa 1860 und 1865 im Atelier ein Modell in italienischer Tracht, das mit einer Mandoline auf dem Schoß dasitzt und nachdenklich auf sie blickt, und das Bild erhielt später den Beinamen „Träumerin mit Mandoline“. 1916 hing es in Budapest, in der Sammlung des Barons Mór Lipót Herzog, und heute gehört es dem Saint Louis Art Museum. Im September desselben Jahres 1916 malte Juan Gris danach sein eigenes Bild.
Gris übernahm von Corot die Einzelheiten: das Haarband mit einer Reihe kleiner Perlen, den Perlenohrring, das weiße Hemd unter dem dunklen Mieder, die Mandoline quer über den Knien, mit dem Korpus nach links und dem Hals nach rechts, und die Neigung des Kopfes. Von Corots Farben ließ er fast nichts übrig, und das Bild ist in Schiefergrau, Schwarz, Kreideweiß, dunklem Flaschengrün und Rostbraun gemalt. Das Gesicht ist in eine helle und eine dunkle Hälfte geteilt, ein Auge ist mit einer feinen weißen Linie umrissen, die Mandoline ist zu einem rostbraunen Brett mit weiß eingeritzten Saiten geworden, und die runden Enden der weißen Ärmel sind mit feinen grauen Sprenkeln schattiert, die wie aufgesprüht aussehen.

Gris wurde 1887 in Madrid geboren und lebte seit 1906 in Paris. 1916 wartete sein Händler Daniel-Henry Kahnweiler, ein deutscher Staatsangehöriger, das Kriegsende in der Schweiz ab, und im Mai unterschrieb Gris einen Vertrag mit Léonce Rosenberg. Im selben Jahr begann er Figuren zu malen und zeichnete nach Raffael, Velázquez und Cézanne.
Geschenkt hat das Bild Basel Raoul La Roche, der Sohn eines Basler Bankiers, der von 1911 bis 1954 in Paris bei einer Bank arbeitete. Seit 1918 war er mit dem Architekten Le Corbusier und dem Maler Amédée Ozenfant befreundet, die ihm halfen, Kubisten zu sammeln, und Le Corbusier baute für ihn und seine Sammlung die Villa La Roche im Pariser Viertel Auteuil. 1952, 1956 und 1963 übergab La Roche Basel 90 Werke von Kubisten und Puristen, und von da an fuhr man nach Basel, um Kubismus zu sehen. Gris malte die Frau mit Mandoline in Öl auf Sperrholz, und durch die dünne graue Farbe des Hintergrunds treten, am deutlichsten rechts oben, die senkrechten Holzfasern hervor.
18. Das Flussufer — Henri Matisse
Am 30. Juni 1939 sah der Basler Museumsdirektor Georg Schmidt in Luzern zu, wie Matisses Flussufer unter Nummer 96 an Max Mueller aus Ascona ging. Basel kaufte an diesem Tag acht andere Werke. Das Bild hatte dem Museum Folkwang gehört, und dessen Gründer Karl Ernst Osthaus hatte es im Februar 1908 bei der Pariser Galerie Bernheim-Jeune gekauft, einige Monate nachdem er das erste Bild von Matisse erworben hatte, das überhaupt in ein Museum gelangte. Nach Osthaus’ Tod zog seine Sammlung 1922 von Hagen nach Essen, und 1937 wurde das Bild dort als „entartete Kunst“ beschlagnahmt.

Matisse malte es im Frühjahr 1907 in Collioure, einem Fischerdorf am Mittelmeer nahe der spanischen Grenze, wo er in diesen Jahren zusammen mit André Derain zum Fauvismus gefunden hatte. Am oberen Rand zieht sich ein Zweig mit großen dunkelgrünen, mandelförmigen Blättern entlang. Die dünnen Baumstämme sind mit ziegelroten und rosa Linien gemalt, und unterhalb des rotorangen Streifens des fernen Ufers setzen sie sich im blauen Wasser als Spiegelbilder fort, sodass jeder Baum zweimal gezeichnet ist. Grün, Violett, Rotorange und Blau liegen als reine Flecken nebeneinander, ohne Schwarz. Am rechten Rand sitzt zwischen den Stämmen eine winzige Figur mit Strohhut, in Blasslila, mit etwas Weißem auf dem Schoß. Die Signatur rechts unten ist mit Blau aufs Wasser gesetzt: „Henri-Matisse“.
Wem das Bild zwischen 1939 und 1953 gehörte, hat das Museum nicht ermittelt. 1953, 14 Jahre nach Luzern, wurde es Basel über den Kunsthändler Ernst Beyeler aus einer Privatsammlung zum Kauf angeboten, und Schmidt, noch immer Direktor, nannte es ein „besonders kostbares Werk“ aus Matisses klassischer fauvistischer Zeit.
19. Das Urteil des Paris — Lucas Cranach der Ältere
Das Urteil des Paris stand 1933 auf dem deutschen Verzeichnis national wertvoller Kunstwerke, und als Robert von Hirsch von Frankfurt nach Basel ging (zu ihm siehe Nr. 16), durfte er das Bild nicht mit der übrigen Sammlung ausführen. Im März 1936 gelangte es über den Berliner Kunsthändler Johannes Hinrichsen an Hermann Göring, und in der Datenbank zur Kunstsammlung Göring ist das Geschäft als Zwangsverkauf verzeichnet. Oft wird eine andere Version erzählt, obwohl die Historiker kein Dokument gefunden haben, das sie bestätigt: Hirsch habe den Cranach Göring als Preis dafür überlassen, dass er den Rest ausführen durfte. 1937 lieh Göring das Bild für eine Cranach-Ausstellung in Berlin aus. Nach dem Krieg wurde es Hirsch am 31. August 1954 restituiert, und 1977 kam das Bild als Geschenk von Martha und Robert von Hirsch nach Basel.
Links sitzt Paris in silberner Rüstung, lockig und bärtig, zu seinen Füßen ein Hut mit weißen Straußenfedern und ein Schwert. Über ihm steht Merkur, ein graubärtiger Alter in einer fantastischen kupferorangen Rüstung voller Muscheln und Spiralen, eine gläserne Kugel in der Hand. Rechts stehen die drei Göttinnen, nackt bis auf durchsichtige Schleier, die als feine Linien an Hüften und Armen zu sehen sind. Die mittlere steht mit dem Rücken zum Betrachter, mit breitem rotem Hut und schwerer goldener Kette, und blickt über die Schulter den Betrachter direkt an. Von oben aus einer Wolke zielt Amor auf sie, hinter den Bäumen sieht man eine Burg auf einem Felsen, eine Stadt und blaue Berge. Auf einen Stein unter dem Fuß der rechten Göttin setzte Cranach „15“ und „28“ und dazwischen das Zeichen seiner Werkstatt, die geflügelte Schlange.
Auf der Rückseite der Tafel ist das maschinengeschriebene Etikett der Berliner Ausstellung von 1937 erhalten, und als Eigentümer des Bildes ist darauf „Ministerpräsident Göring“ angegeben.

Ein Kauf auf dem Prüfstand (1940, 2021–2023)

20. Die Muse inspiriert den Dichter — Henri Rousseau
Charlotte von Wesdehlen schrieb am 12. Juni 1940 aus Genf an Alice Bernoulli, die Frau des Basler Kunsthändlers Christoph Bernoulli, zählte 12 ihrer Bilder auf und fügte hinzu, sie würde jetzt gern eines verkaufen, „weil es nötig ist“. Die geborene Reichenheim, Jüdin und Tochter Berliner Sammler, war früher mit dem Bankier Paul von Mendelssohn-Bartholdy verheiratet gewesen, und 1913 hatte das Ehepaar dieses Bild beim Pariser Kunsthändler Paul Rosenberg gekauft. Nach der Scheidung 1927 fiel das Bild ihr zu. 1930 heiratete sie den Grafen von Wesdehlen, einen pensionierten preußischen Rittmeister aus Neuenburg, und wurde Schweizer Bürgerin. Das Bild passierte die Schweizer Grenze am 5. Oktober 1935 in Brig, wie ein Zollaufkleber auf der Rückseite der Leinwand belegt, und Charlotte selbst verließ Berlin 1938. Das Reich erhob von ihr die Judenvermögensabgabe und die Reichsfluchtsteuer, und diese Abgaben verschlangen ihr ganzes persönliches Vermögen.
Rousseau, Autodidakt und ehemaliger Angestellter beim Pariser Stadtzoll, malte das Bild 1909, ein Jahr vor seinem Tod, im Auftrag von Guillaume Apollinaire, und es ist ein Doppelbildnis: Der Dichter steht neben seiner Freundin, der Malerin Marie Laurencin, die als Muse erscheint. Auf der ersten Fassung, die sich im Moskauer Puschkin-Museum befindet, malte Rousseau statt der Bartnelken, die man auf Französisch „Dichternelken“ nennt, Levkojen, und Apollinaire machte sich darüber in der Zeitung lustig. In der zweiten, der Basler Fassung steht vor beiden Figuren eine Reihe hoher Bartnelkenstängel mit flachen Köpfen aus kleinen Blüten, rosa, weiß und dunkelrot. Die Muse in einem langen graulila Gewand hat die rechte Hand erhoben und den Zeigefinger nach oben gestreckt, im Haar und am Hals trägt sie dunkle Blüten mit grünen Blättern. Apollinaire im schwarzen Anzug blickt geradeaus, in der rechten Hand hält er eine weiße Feder, in der linken ein eingerolltes Blatt Papier, und über den beiden schließen sich die Zweige der Bäume zu einem Bogen aus einzeln umrissenen Blättern. Apollinaire erinnerte sich, dass Rousseau ihm bei der ersten Sitzung Nase, Mund, Ohren, Stirn, Hände und den ganzen Körper ausmaß und die Maße verkleinert auf die Leinwand übertrug. 1913, ein Jahr nach der Trennung von Laurencin, gab Apollinaire das Bild Rosenberg zum Verkauf.

Im Sommer 1940 erklärte Museumsdirektor Georg Schmidt Charlotte von Wesdehlen zunächst, das Museum habe kein Geld, weil alles für die Auslagerung der Sammlung in bombensichere Depots gebraucht werde, und Ende Juli fuhr er dann selbst zu ihr nach Genf. Am 1. August schrieb er Bernoulli, er habe sie von den „Falsett-Höhen“ heruntergeholt und „auf den Boden der Realitäten“ gebracht, was, „da sie unbedingt verkaufen zu müssen scheint, ziemlich gut gelang“, und wenn er 12.000 auf den Tisch lege, werde sie zugreifen. Dem Sammler Rudolf Staechelin, der dem Museum das Geld vorgestreckt hatte, schrieb Schmidt: „Alle Beteiligten wissen, dass es im Grund ein schandbar billiger Preis ist für dieses Bild, das zu den klassischen Hauptwerken Rousseaus gehört.“ Im Protokoll der Kunstkommission vom 2. September 1940 schrieb Schmidt: „Das Angebot des ‚Poète et sa muse‘ ist einer jener zu erwartenden Glücksfälle infolge des Krieges.“ Das Museum zahlte 12.000 Franken, obwohl das Bild nach Schmidts eigenen Worten in normalen Zeiten 30.000 bis 40.000 gebracht hätte. Charlotte von Wesdehlen beklagte sich später nicht über diesen Verkauf und starb 1946 in Genf.
2001 untersuchte die Unabhängige Expertenkommission Schweiz, die die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg erforschte, diesen Kauf als Musterfall für „Fluchtgut“. So nannte die Kommission das, was Emigranten aus Deutschland in Ländern außerhalb des nationalsozialistischen Machtbereichs verkauften, im Unterschied zur Raubkunst. 2021 baten Anwälte, die einen der Rechtsnachfolger Charlotte von Wesdehlens vertraten, das Museum, das Geschäft zu überprüfen, und 2022 forderten sie die Rückgabe des Bildes. Am 20. Dezember 2023 fällte die Kunstkommission einen 54-seitigen Entscheid. Darin heißt es über die damaligen Verantwortlichen in Kunstkommission und Museum, man komme „nicht umhin, eine erschreckende Despektierlichkeit gegenüber der Person Charlotte von Wesdehlen und eine beträchtliche Kaltblütigkeit im Vorgehen zu konstatieren“, und dies sei „ein Teil der Geschichte des Kunstmuseums Basel, der hier erwähnt werden soll“. Die Kommission erkannte an, dass der Verkauf verfolgungsbedingt war, weil es ihn ohne die Verfolgung nicht gegeben hätte und Charlotte von Wesdehlen das Geld zum Leben brauchte. 2020 hatte das Museum bereits eine ähnliche Einigung über Druckgrafik erzielt, die es 1933 bei der Versteigerung der Sammlung von Curt Glaser gekauft hatte. Eine Rückgabe der Muse lehnte die Kommission ab, Verhandlungen über eine finanzielle Entschädigung „in angemessener Höhe“ befürwortete sie dagegen.
Was es sonst noch zu sehen gibt
Zwei Bilder Picassos, Die beiden Brüder und Sitzender Harlekin, kaufte die Stadt, nachdem die Basler Stimmberechtigten 1967 in einer Volksabstimmung dem Kauf zugestimmt hatten, und Picasso schenkte dem Museum zum Dank vier weitere Werke. Von den Käufen des Sommers 1939 gehören Oskar Kokoschkas Windsbraut, Marc Chagalls Die Prise und Franz Marcs Zwei Katzen, blau und gelb zur Sammlung. Von Holbein lohnen sich noch die Bildnisse des Erasmus von Rotterdam von 1523 und 1532 und das frühe Doppelbildnis des Jakob Meyer zum Hasen von 1516. Fürst Myschkin erinnert sich im Idioten an ein weiteres Bild, das er in Basel gesehen hat, und darin erkennt man meist die Enthauptung Johannes des Täufers von Hans Fries aus dem Jahr 1514, die ebenfalls dem Museum gehört. Im Kupferstichkabinett, das den größten Teil der mehr als 300.000 Werke des Museums verwahrt, liegen auch die Zeichnungen aus dem Amerbach-Kabinett.


































































